Glauben wollen – Gedanken zur Jahreslosung 2020
Ein Vater hatte seinen Sohn zu Jesus gebracht, damit er ihn von einem bösen Geist heilen sollte. Aber das war schwieriger als gedacht, denn als die beiden ankamen war Jesus gerade nicht da. Er war mit dreien seiner Jünger auf einen Berg gestiegen. Also übernahmen die zurück gebliebenen Jünger die Angelegenheit, allerdings mit wenig Erfolg. Trotz ihrer Bemühungen konnten sie den Jungen nicht heilen. Als Jesus zurückkommt lässt er den Jungen zu sich bringen. Der Vater berichtet ihm, wie schlimm es um seinen Sohn steht und von dem vergeblichen Versuch der Jünger. Obwohl sein Vertrauen dadurch schon etwas gelitten hat, ist er verzweifelt genug, um einen zweiten Vorstoß zu wagen: „Hilf uns. Tu etwas, wenn du kannst.“ Darauf reagiert Jesus fast schroff: „Was soll das heißen, wenn ich kann? Alles ist möglich, dem der glaubt!“ Und dann fällt der Satz, der die Jahreslosung 2020 werden sollte: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“, ruft der Vater.
Jesus befielt dem Geist den Jungen zu verlassen und es geschieht – der Junge wird heil.
Alles ist möglich, dem der glaubt. Ich glaube, hilf meinem Unglauben. Auch wenn nur der zweite Satz als Jahreslosung gewählt wurde sind die beiden nicht voneinander zu trennen. Aber von wem redet Jesus denn da? Wen betrifft das?
Den Vater? Er musste nur richtig glauben und dann war alles möglich?
Ja, es geht auch um ihn. Der Vater ist ein Teil der Geschichte und, ja, er war in diesem Moment konkret herausgefordert auf Jesus zu vertrauen, sich ihm zuzuwenden und seine Ohnmacht einzugestehen. Herausgefordert, in Jesus den Messias zu entdecken und sich ihm mit seinem Unvermögen und Anliegen auszuliefern. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte.
Oder meint sich Jesus etwa selbst? Ja, auch das. Er selbst lebt in der vollkommenen Verbindung zu Gott, dem Vater, deshalb ist ihm alles möglich. Sein Glaube ist fest im Vater verankert. Während seiner Zeit als Mensch auf der Erde schöpft er aus diesem Vertrauensverhältnis seine Vollmacht.
Aber eigentlich war dieser Satz vor allem an die Jünger gerichtet. Die Story hatte nämlich bereits einen Vorlauf und war auch nach dieser Szene noch nicht zu Ende.
Das war so: Nicht lange zuvor hatte Jesus seine Jünger losgeschickt und bevollmächtigt sein Reich zu verkünden, Kranke zu heilen, Tote aufzuwecken und böse Geister auszutreiben. Begeistert kamen die Jünger von ihrem Einsatz zurück. Sie konnten all das tun, wozu Jesus sie ausgesandt hatte. Einfach überwältigend. Plötzlich wurde die ganze Sache mit Jesus noch realer. Sie waren nicht mehr nur Zuschauer, sondern wurden selbst aktiv eingebunden. Eine Mega-Erfahrung!
Drei von ihnen nahm Jesus anschließend mit auf den Berg zu einer besonderen Auszeit. Was sie hier erlebten war so wundervoll, dass sie am liebsten für immer dort geblieben wären. Sie konnten sehen wie Jesus als Gottes Sohn mit dem Himmel in Verbindung trat.
Die übrigen Jünger bekamen diese Szene allerdings nicht mit. Sie mussten am Fuß des Berges warten und wurden von einigen theologischen Hardlinern in ein Streitgespräch verwickelt.
Und dann kam da auch noch dieser Vater mit seinem Sohn an. Also waren sie gefordert. Jesus war nicht da, aber sie hatten ja schon bewiesen, dass sie es auch konnten. Wie es ausging wissen wir.
Nachdem der Vater mit dem Sohn nach Hause gegangen war, fragten die Jünger Jesus, warum sie den Jungen nicht heilen konnten. Das ginge nur mit Beten und Fasten antwortete Jesus. Wie meinte er das denn jetzt?
Und dann gingen sie alle gemeinsam zu ihrer Übernachtungsgelegenheit. Den ganzen Weg über diskutierten die Jünger miteinander. Es ging darum, wer von ihnen der Wichtigste ist.
Offensichtlich waren ihnen ihre neuen Fähigkeiten zu Kopf gestiegen. Waren sie nicht die Superjünger? WIR sind im Auftrag des Herrn unterwegs! Dummerweise hatte das mit dem Jungen nicht geklappt, aber was soll’s. Im Grunde sind wir doch tolle Kerle. Dumm nur, dass nicht alle die Show auf dem Berg mitbekommen hatten. Vielleicht sind die, die mit auf dem Berg waren, ja noch ein bisschen wichtiger als die Anderen?
Und so waren sie viel mehr damit beschäftigt auf sich zu sehen als auf Jesus. Sie hatten einfach vergessen, dass sie nicht aus eigener Kraft gehandelt hatten, sondern dass Jesus diese Kraft in sie hineingelegt hatte. Und dass diese Kraft nur in Verbindung mit ihm wirksam sein konnte.
Die Worte der Jahreslosung hätten also auch den Jüngern gut angestanden. Ihr Glaube an Jesus war ihnen, über ihren Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten, abhanden gekommen.
Glaube heißt aber sich, mit allem was man ist, Jesus hinzugeben. Mit ihm verbunden zu sein, in der liebenden Gemeinschaft, die er uns anbietet. Ihm zu vertrauen, sich von ihm füllen und beauftragen zu lassen. Glaube wird dann wirksam, wenn wir bereit sind, zu tun, was Gottes Wille ist. Dann kann und will Gott durch seine Jünger wirken. Damals wie heute.
Immer wieder müssen auch wir, die wir Jesus heute nachfolgen, um diese Hingabe ringen, weil auch wir in der Gefahr stehen, uns selbst oder unsere Umstände für wichtiger zu halten. Nicht umsonst erwähnt Jesus seinen Jüngern gegenüber Beten (und Fasten). Beides ist darauf ausgerichtet die Verbindung zu ihm zu stärken. Ihm zu begegnen. Ihn wieder ganz in den Mittelpunkt zu stellen.
Damit gilt die Jahreslosung auch für uns: als beständige Erinnerung uns Jesus immer wieder zuzuwenden.
Denn alles ist möglich, dem der glaubt.
Nachzulesen im Markusevangelium, Kapitel 9 und Matthäusevanglium Kapitel 10