Sie sitzen beieinander an diesem Morgen. Wie schon so oft. Müde und hungrig. Es duftet nach frischem Brot und Fisch. Schmerzlich vertraut. Überwältigend nah. Wie sehr hatten sie sich danach gesehnt. Voller Freude und doch voller Beklommenheit. Sie wagen es kaum, diesen Augenblick durch Fragen zu stören. Und doch wissen sie, dass er es ist, der sich ihnen als Auferstandener zeigt.
Einem hat es gänzlich die Sprache verschlagen. Ganz gegen seine Gewohnheit. War er doch sonst immer der, der schnell mit seinen Worten herausplatzte. Das war noch bevor …
Nur Jesus scheint das alles ganz normal zu finden. Wie damals, als er zum ersten Mal fragte, ob sie was gefangen hätten. Als sich die Netze mit Fischen füllten. Übervoll füllten trotz der vermeintlich falschen Zeit. Wie heute. „Holt ein paar von den Fischen, die ihr gefangen habt und legt sie zu meinen aufs Feuer“, sagt er. „Und dann kommt und frühstückt“.
Beim letzten Mal hatte er sie in seine Nachfolge gerufen. „Habt keine Angst“, sagte er, „Ich will euch zu Menschenfischern machen“. Da ließen sie alles stehen und liegen und folgten ihm nach. Teilten an die Menschen aus, was er gesegnet hatte, Brot und Fisch. Hoffnung auf Leben für hungrige Menschen.
Bis – ja, bis sie ihn verraten hatten. In dieser einen Nacht, als er gefangen genommen wurde. Sie flohen bis auf die zwei, die es bis in den Hof des hohepriesterlichen Palastes schafften. Der eine still, der andere lautstark. Beide gaben vor, ihn nicht zu kennen. Und dann war es zu spät.
Es geschah, was in ihren Augen nie hätte geschehen dürfen. Er starb am Kreuz wie ein Verbrecher. Es schien das Ende zu sein. Doch dann, nach Tagen des Dunkels, die alles überstrahlende Nachricht: Der Herr ist auferstanden! Er lebt! Sie hatten ihn gesehen. Noch immer können sie es kaum fassen.
Und dann heute Morgen. Dieser Spagat zwischen Glückseligkeit und vor Schuld im Boden versinken zu wollen. Als er ihn am Ufer sah, konnte er gar nicht anders, als aus dem Boot zu springen. Ihm so schnell wie möglich nahe zu sein. Aber jetzt wagt Petrus kaum ihm in die Augen zu schauen. „Komm, sagt Jesus nach dem Frühstück, wir gehen ein paar Schritte“ und Petrus springt auf. Was wird er sagen? Was soll er hoffen? Wird es für ihn eine Zukunft geben? Kann alles wieder gut werden?
„Liebst du mich?“ fragt Jesus. Nur das. Nichts sonst. Und Petrus quillt das Herz über. Trotz seines Versagens, trotz seiner Schuld. Keine Erklärung kann fassen, was ihn aufgewühlt hat in den Tagen. „Ja, du weißt, dass ich dich lieb habe.“
Wahrscheinlich hat Petrus, ebenso wie wir, ein anderes Gespräch erwartet. Hab ich es dir nicht gesagt! Warum musst du auch immer den Mund so voll nehmen! Wie konntest du nur! Oder noch schlimmer: So jemanden kann ich nicht gebrauchen! Das Erschreckende ist, dass Jesus das Recht gehabt hätte, all das zu sagen. Weil es die Wahrheit ist. Auch unsere Wahrheit.
Wie oft reden und handeln wir uns um Kopf und Kragen. Im festen Glauben wichtig und richtig zu handeln. Um in herausfordernden Situationen plötzlich zu erkennen, dass unser Herz unserem Reden nicht standhält. Dass wir doch nicht so vertrauenswürdig sind wie wir gedacht haben. Dass es uns wichtiger ist vermeintlich heil aus der Situation herauszukommen. Oder plötzlich entscheidender, was die anderen über uns denken. Wir auf einmal glauben uns nur auf uns selbst verlassen zu können. Meist fühlen wir schnell, dass dadurch etwas zerbricht. Nähe wird plötzlich schwierig. Erklärungen können das Geschehene schwer fassen. Hatten wir nicht gedacht, dass wir schon weiter wären?
Es scheint Jesus nicht wichtig zu sein danach zu fragen. Weder nach Erklärungen noch nach Schuldeingeständnissen. Nur eines: Liebst du mich? Darin liegt alles was nötig ist. Gehören wir noch zusammen? Gehörst du noch zu mir? Verstehst du, dass ich dich immer noch will? Dass es immer noch gilt, was bisher war. Dass sich nichts dadurch geändert hat. Schau, es ist, wie es begann. Als ich dich rief. Um Herz und Leben zu teilen, wie Brot und Fisch. Ich stehe zu dir Petrus. Ich bin gestorben dafür, um aus dem Weg zu schaffen, was unsere Beziehung zerstört. Damit du mir wieder frei ins Gesicht blicken kannst. Damit wir gemeinsam weitergehen können. Damit du auch weiterhin deine Fische zu meinen aufs Feuer legen kannst. Damit du tun kannst, wozu ich dich gerufen habe. Willst du das immer noch?
Liebst du mich? Diese Frage braucht eine Antwort. Petrus‘ Antwort und unsere. Denn in dieser Antwort liegen Schuldeingeständnis und Hinwendung zugleich. Sie wird zum Zeichen unserer Umkehr. Deshalb muss Jesus nicht fragen, was war. Er fragt uns nicht nach unserer Wiedergutmachung, er fragt uns nach unserer Beziehung. Nicht wir sind in der Lage, wieder gut zu machen, wodurch wir schuldig geworden sind. Das kann nur er. Aber wir sind gerufen uns ihm wieder zuzuwenden, umzukehren, uns in seine Arme zu werfen. Liebe ist immer stärker als Schuld. Zugewandte Liebe. Aus ihr allein entsteht der Weg ins Leben.
Auch wenn es oft eine schmerzhafte Erkenntnis ist: Nichts führt uns diese Liebe mehr vor Augen als unser eigenes Versagen. Nichts lässt uns die Nähe Jesu mehr suchen und wertvoller erscheinen. Die Nähe, die aus dieser Liebe entsteht, macht möglich, was sonst unmöglich ist: Tun, was an guten Werken in uns hineingelegt wurde. Hoffnung und Leben zu haben. Für uns und andere.
Was immer bisher in deinem Leben geschehen ist: Es gibt immer diesen Morgen. Zeit, mit Jesus zu frühstücken. Zeit, ihm eine Antwort zu geben. Leg deine Fische zu seinen aufs Feuer. Damit du und andere satt werden.
Nachzulesen in Lukas 5, 1-11, Johannes 18 und 21

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