Augenblick Weinlese

Auf dem Weg zur Arbeit führt mich der Fahrradweg an den Rebbergen entlang. Die letzten Wochen wurden die Trauben geerntet – geherbstet, wie man bei uns sagt. Jeden Morgen kurvte ich um Traktoren und Menschen herum, die sich bereit machten die Ernte einzubringen. Mittags säumten dann mit Trauben gefüllte Bottiche den Weg. Den Zeitpunkt der Weinlese bestimmt vor allem der Oechslewert der Traube, das Mostgewicht, das Auskunft über den Zuckergehalt und damit über die Reife der Traube gibt. Die Ausgewogenheit zwischen hohem Zuckergehalt durch genügend Sonnenstunden und der durch den Boden, die ausreichende Wasserversorgung und die Lage beeinflusste Säuregehalt ist eine wesentliche Voraussetzung für einen guten Jahrgang.

Was uns im Leben begegnet, was auf uns einwirkt, darauf haben wir, ebenso wie die Reben, nicht immer Einfluss. Die wesentliche Voraussetzung die Früchte in unserem Leben zu sehen liegt für uns Menschen jedoch darin, die Nähe dessen zu suchen, der uns in all dem reifen lässt. Der uns durch oder trotz aller Umstände reiche Ernte zuspricht, wenn wir mit ihm verbunden bleiben. Ein Jahrgang, der sich daran messen lässt, in welchem Maß unsere Liebe zu ihm, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst größer geworden ist.

Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben, sagt Jesus, wenn ihr nahe bei mir bleibt, bringt ihr viel Frucht.