Augenblick Außenküche

Den ganzen Sommer bin ich einfach daran vorbeigegangen. Hier hat offensichtlich jemand viel Zeit verbracht. Am Fluss gelebt, warum auch immer. Vermutlich ein Mensch ohne Obdach. Gesehen habe ich denjenigen nie, obwohl es am Weg meiner morgendlichen Hunderunde liegt. Die Büsche haben den Blick verdeckt. Erst jetzt, nachdem das Laub gefallen ist, wurde es sichtbar: Mit wenigen Materialien wurde hier eine Außenküche eingerichtet. Schön ordentlich im Anbetracht der ungewöhnlichen Umstände. Die Anordnung lässt ein Händchen für Ordnung und Struktur erkennen, aber auch eine Sehnsucht  nach Normalität und einem festen Platz im Leben.

Hinter der schützenden Fassade der Blätter lebte ein Mensch. Ganz nah und doch verborgen für die Meisten.  Erst durch das was wir von ihm entdeckt haben, nachdem die Fassade der Blätter gefallen ist, hat er uns einen kleinen Einblick in das gegeben, was für ihn wichtig war.

Wen lassen wir hinter unsere Fassade blicken? Die Menschen, die Teil unseres Lebens sind? Den Gott, der uns geschaffen hat? Wer darf darauf schauen, nach was wir uns sehnen und wer wir sind? Auf das, womit wir im Leben kämpfen? Auf das was uns bewegt? Oder bleiben wir lieber fern, auch wenn wir ganz nah zu sein scheinen? Allein versteckt hinter den Blättern? Dann verpassen wir ganz Wesentliches und Wertvolles. Denn wirkliche Nähe beginnt immer erst dort wo Fassaden fallen.