
Wie lange habe ich schon nicht mehr gewippt? Als ich heute an diesem winzigen Spielplatz, versteckt hinter großen Häusern, vorbei kam, konnte ich es plötzlich wieder fühlen. Dieses ganz besondere Wippgefühl. Das sich ausbreitet, wenn man erst mit Schwung nach oben katapultiert wird, so schwungvoll, dass man von der Sitzfläche abheben würde, wenn man sich nicht fest an den Griff klammert. Um dann abwärts zu rasen und den Sitz mit so viel Kraft wie möglich auf den Boden aufknallen zu lassen, damit es den anderen in die Höhe sausen lässt. Immer und immer wieder. Wie haben wir es genossen als Kinder. Gelacht und gequiekt, bis Hände und Hinterteil müde wurden.
Wippst du mit mir? Wollen wir zusammen wippen? Es beginnt immer mit einer dieser Fragen? Denn Wippen kann man nicht alleine. Nur gemeinsam ist ein Wippgefühl möglich. Es braucht eine Anfrage. Eine Einladung an einen anderen. Einen der mitmacht. Dann kann es losgehen. Und es braucht Abstimmung, damit das Auf und Ab gelingt. Leichtere müssen sich nach hinten lehnen, sich schwerer machen. Schwerere sich nach vorne beugen, sich leichter machen, um das Gleichgewicht herzustellen. Es gilt aufeinander zu achten, damit keiner vom Sitz fällt. Manchmal muss zu zaghaftes Wippen verstärkt oder zu tollkühnes gebremst werden. Nur dann breitet es sich aus, das Wippgefühl, das entsteht, wenn man sich gegenseitig in den Himmel hebt.
Heute entsteht mein Wippgefühl unabhängig vom Spielplatz. Im Zusammensein mit den Menschen, mit denen ich im Leben unterwegs bin. Wenn ich gemeinsam mit ihnen an etwas dran bin. Wir etwas machen, das nur zusammen möglich ist. Wenn wir aufeinander eingehen und Miteinander erleben. Dann ist es da, dieses Gefühl. Egal, ob wir miteinander arbeiten, leben, glauben oder einfach nur Spaß haben. Weil wir dann etwas vom Himmel spüren. Weil wir spüren, dass diese Gemeinsamkeit in uns hineingelegt wurde. Wir sind dazu geschaffen gemeinsam zu wippen. Mit unserm Gott und miteinander. Also los – lasst uns wippen!
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