Augenblick Hochwasser

Nach Dauerregen und Schneeschmelze ist unser sonst friedlich dahinfließender Fluss angeschwollen. Wassermassen wälzen sich mit Wucht durch das Flussbett. Das Hochwasser lässt die Uferregionen in brauner Brühe verschwinden. Im Sommer ist hier am Flussufer ein beliebter Badeplatz. Eine kleine Kiesbucht ermöglicht fröhliches Planschen für Kinder und Hunde. Der Baum bietet Schatten und Sitzplatz. Jetzt ist alles überschwemmt. Vom Baum, der auch in trockeneren Zeiten tief über dem Fluss hängt, ragt nur noch der obere Teil des Stammes aus dem Wasser. Aber er hält stand. Tief verwurzelt im Uferboden bietet er trotz seiner Schräglage der Strömung die Stirn.

Wo haben wir unsere Wurzeln eingegraben, um standzuhalten, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht? Unser Leben in Schräglage unter Druck gerät. Wir in Gefahr stehen zu zerbrechen oder den Halt zu verlieren. Gerade in diesen Zeiten dürfen wir der tröstlichen Zusage Gottes glauben, dass er unser ganzer Halt sein kann und will. Verwurzelt in ihm werden wir auch die Hochwasserzeiten in unserem Leben durchstehen.

Gestern habe ich nochmals nach dem Baum geschaut. Der Hochwasserpegel ist mittlerweile ein wenig gesunken. Vom Stamm ist schon wieder ein Stück mehr zu sehen. Er hält stand.