Sie haben den gleichen Weg und das zur gleichen Zeit: Wenn die ersten Radfahrer gut gestylt zur Arbeit sausen ist auch der Hundehalter auf seiner Morgenrunde unterwegs. Oft sind sie einander ein Ärgernis. Der Hundebesitzer für den Radfahrer, weil er nicht rasch genug seinen Hund bei Fuß ruft und damit den Radler zu einem Ausweichmanöver zwingt. Im schlimmsten Fall liefert sich der Fiffi mit ihm noch ein Wettrennen. Der Radfahrer für den Hundebesitzer, weil der meist nur noch Sekundenbruchteile zur Verfügung hat, um mit seinem Hund zur Seite zu springen, während der Radler ungebremst an ihm vorbei brettert. Schreckmoment inbegriffen. Dabei könnte doch alles so einfach sein:
Radfahrer, die in Betracht ziehen, dass ihr Fahrrad kaum zu hören ist und Hundehalter hinten keine Augen haben. Die deshalb rechtzeitig durch Klingeln auf sich aufmerksam machen und die Geschwindigkeit während der Vorbeifahrt reduzieren. Ein nettes Dankeschön, wenn ihnen Platz gemacht wird, wäre das Sahnehäubchen.
Hundehalter, die aktiv auf herannahende Fahrradfahrer achten. Die ihren Hund nicht mit anderen Hunden auf dem Weg spielen lassen, sondern nur dort, wo Platz dafür ist. Die zur Seite treten und ihren Hund zu sich rufen, um ihn neben sich zum Sitz einparken zu lassen. Ein freundliches Gerne als Antwort wäre das Sahnehäubchen.
Mit Beginn meiner Radsaison letzte Woche bin ich wieder beides. Zuerst drehe ich eine Runde mit dem Hund und dann sause ich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Unterwegs in einer täglichen Übung in dem was Jesus seinen Jüngern in der Bergpredigt als sogenannte goldene Regel mit auf den Weg gibt: Behandle alle so, wie du selbst behandelt werden willst. Trainiere es rücksichtsvoller Hundebesitzer und Radfahrer zu sein. Mehr auf den anderen zu schauen als auf dich selbst. Genug Aufmerksamkeit für Radfahrer parat zu haben, auch wenn die Gedanken mit dem Hund spazieren laufen. Als Radfahrer wirklich langsamer zu machen, wenn auf dem Weg vor dir ein Hund frei läuft. Auch wenn sich innerlich alles sträubt, weil man anschließend kräftiger durchtreten muss. Bedanke dich – freundlich.
Die Begegnungen dauern meist nur einen Augenblick. Und doch entsteht plötzlich ein Miteinander. Verbindung statt Auseinandersetzung. Und jeder geht fröhlicher in seinen Tag. Geht doch. Und nicht nur auf dem Fahrradweg.

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