Gedankenschnipsel Brötchenprobleme

Beim samstäglichen Brötchenholen hat es mich kalt erwischt. Auf der Bäckertheke steht ein Schild: Wir bedanken uns bei unseren Kunden. Unser Geschäft schließt nach dem nächsten Wochenende“. Wie jetzt? Unser kleiner Bäcker an der Ecke macht einfach zu? Seit Jahren kaufen wir dort unsere Brötchen. Die besten der Stadt, finden wir. Die Roggen und Dinkelbrötchen sind voller Geschmack, saftiger Teig mit knackiger Kruste. Jeden Samstag sind sie Grundlage unseres gemütlichen und ausgiebigen Samstagsfrühstücks. Die Eigentümer gehen in den wohlverdienten Ruhestand. Er backt, sie verkauft. Wir verstehen ja, dass man irgendwann froh darüber ist nicht mehr nachts um drei in der Backstube den Ofen anzuwerfen. Nicht mehr den ganzen Tag im Laden stehen und Backwaren einzutüten will. Es sei ihnen gegönnt. Aber wir – wir bleiben brötchenlos zurück. Noch ein Samstag und dann haben wir ein Brötchenproblem.

Kann es sie geben – andere, ebenso  leckere Brötchen? Ist da draußen ein Bäcker, der unser neuer Lieblingsbäcker werden wird?  Wir müssen uns auf die Suche machen. Bäcker für Bäcker, Brötchen für Brötchen. Panik – unser Frühstück ist in Gefahr!

Während ich schreibe muss ich schon über mich selbst schmunzeln. Was für ein Sturm im Wasserglas! Natürlich werden wir sie vermissen: die freundlichen Bäckersleute ebenso wie die wirklich guten Brötchen. Aber um Brötchen zu jammern ist eben doch auch Jammern auf hohem Niveau. Das was wirklich wichtig ist an unserem Frühstück, gemeinsam und gemütlich Zeit miteinander zu verbringen und das Aufgetischte zusammen zu genießen, das hängt nicht an einer bestimmten Sorte Backwaren.

Und mir dämmert, wie anfällig wir doch sind.  Anfällig dafür Brötchenproblemen aller Art in unserem Leben eine Wichtigkeit zuzugestehen, die sie gar nicht haben.  Anfällig dafür, darüber unsere Dankbarkeit und den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Macht euch um solche Brötchenprobleme nicht so viele Gedanken, sagte Jesus, euer Vater im Himmel weiß doch, was ihr braucht. Legt euer Augenmerk vielmehr  auf das, was wirklich wichtig ist. Kümmert euch lieber darum, dass eure Beziehung zu euerm Gott und zu euern Mitmenschen in Ordnung ist. Die passenden Brötchen werden sich dann schon finden.