Mit Palmzweigen zogen sie ihm entgegen. Mäntel auf den Boden gelegt. Da ritt er ein, begrüßt wie ein König. Hilf doch, rief ihm die Menge zu. In Windeseile hatte es sich herumgesprochen, dass dieser Jesus Lazarus von den Toten auferweckt hatte. Sollte da nicht alles möglich sein! Wenn so einer König wird, dann musste es doch jetzt endlich losgehen. Losgehen mit der Befreiung von der gehassten Besatzung. Freiheit statt Knechtschaft. Ein neues goldenes Zeitalter. Die Erwartung war riesig. Und gab ihnen ihre Geschichte nicht Recht? So lange hatten sie darauf gehofft. Hatten vermeintliche Retter kommen und gehen sehen. Schon manch einer hatte sich im Umsturz versucht. Alle waren sie gescheitert. Zuletzt gerade erst Barabbas. Aber jetzt, jetzt …
In der Euphorie achteten sie nicht so genau auf die Details. Der König zog ein! Hurra! Nur einen Augenblick fiel ihre Aufmerksamkeit auf das Reittier. Esel statt Schlachtross. Grautier statt Paradepferd. Ärmlich statt prächtig. Und doch königlich. Vor langer Zeit vorausgesagt.
Ein König, wie ihn die Welt zuvor nicht gesehen hat. Der kommt, um der Menschheit zu dienen. Der Herrscher über alles ist und doch demütig. Der sein Leben hingeben wird, damit andere Leben haben. Einer, der Frieden bringt. Ein Gerechter und ein Retter. Keiner wie Barabbas, der das Volk aufwiegelte. Der für seine Ziele vor Mord nicht zurückschreckte.
Ein König, der durch seine Hingabe den grundlegendsten Umsturz in der Menschheit ausgelöst hat. Durch den Frieden überhaupt erst möglich wurde. Frieden zwischen Gott und Mensch. Frieden zwischen Mensch und Mensch. Frieden zwischen Mensch und Schöpfung. Dessen Reich nicht von dieser Welt ist und sich doch gerade dort ausbreitet. Unscheinbar zunächst, aber unaufhaltsam. Ein König, der Weltgeschichte umschreibt. Für und mit jedem Menschen, der bei ihm Hilfe sucht.
Die Jubler von damals brauchten eine Weile, bis sie das verstanden hatten. Dann wurde ihnen klar: Zu diesem König wollen wir gehören. Uns stellt sich diese Frage, auch nach mehr als zweitausend Jahren, unverändert. „Herr hilf!“, dürfen wir Jesus zurufen, wenn wir das auch wollen. Dann wird er in unser Leben einziehen. Heute kann unser ganz persönlicher Palmsonntag sein.

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