Über fünfzig Jahre hatte mein Vater einen Schrebergarten. Was mit einer abgesteckten Parzelle steiniger Wiese begann verwandelte sich mit der Zeit in einen üppigen Garten. Bepflanzt mit allerlei Gemüsepflanzen, Beerensträuchern, Obstbäumen und Blumen. Der Ertrag des Gartens war ein geschätzter Bestandteil unseres täglichen Speisezettels. Plante meine Mutter die Mittagessen der kommenden Tage war ihre erste Frage an meinen Vater immer: „Was kannst du mir aus dem Garten bringen?“ Wie genossen wir den ersten Kopfsalat aus dem Frühbeet. Die Beeren im Sommer und den Rosenkohl nach dem ersten Frost. Fast jeden Tag, von Frühjahr bis Herbst, war mein Vater im Garten zu finden. Immer gab es etwas zu graben, zu pflanzen, zu jäten, zu gießen und zu ernten. Auch wir Kinder hatten unsere eigenen Beete, in denen Radieschen, Karotten und Blumen wuchsen. Mein ganzer Stolz war mein eigener Pfirsichbaum. Hier habe ich viel gelernt. Hier begann meine Gartenliebe. Unvergesslich bleibt mir, neben vielem anderen, die erwartungsvolle Freude bei der Kartoffelernte, der Geschmack von reifen Johannisbeeren und der wunderbare Duft der Pfingstrosen. Keine Frage, mein Papa versteht etwas vom Gärtnern.
Aber man sollte sich davor hüten einen Garten nur oberflächlich zu betrachten. Seit mein Vater seinen Garten zugeteilt bekam hat er vor allem viel Zeit in die Verbesserung des Bodens investiert. Viele, viele Steine herausgelesen. Gute Erde untergemengt. Gehackt, gerecht, umgestochen. Auf Fruchtwechsel geachtet. Die Beete im Sommer mit Mulch abgedeckt, um sie vor dem Austrocknen zu schützen. Im Herbst Kompost eingebracht. Das Geheimnis eines fruchtbaren Gartens liegt tiefer. Denn was er hervorbringt bestimmt zuallererst die Qualität des Bodens. Zeigt sich in einem Garten gutes Pflanzenwachstum und trägt er reiche Frucht ist das ein untrügliches Zeichen für einen guten Boden. Gute Gärtner wissen worauf es ankommt. Und natürlich gilt das nicht nur für den Schrebergarten.
Wer, wie ich, schon als Kind mit dem Gärtnern begonnen hat, findet sich hier leicht wieder. Aber auch alle, die von sich behaupten keinen grünen Daumen zu haben, sind mit im Spiel. Dass Gedeihen nur mit einer guten Grundlage möglich ist wird auch für die weniger Gartenaffinen unter uns kaum überraschend sein. Die Frage dabei ist nur: Welche Parzelle wurde uns zugeteilt? Für welches Fleckchen sind wir verantwortlich? Ganz einfach: Es sind die Orte und Gemeinschaften, in denen wir uns alltäglich bewegen. Familie, Freunde, Nachbarschaft, Arbeitsstelle, Verein, Kirchengemeinde oder wo auch immer wir eingebunden sind. Wir merken selbst schnell den Unterschied: Finden wir guten Boden vor entwickeln wir uns. Verstehen mehr davon welche Fülle Gott für uns bereithält. Wachsen wir im Handeln wie im Glauben. Blühen wir auf. Entdecken unsere Fähigkeiten. Es entsteht was uns und anderen gut tut. Dankbar dürfen wir davon profitieren, wo andere den Boden für uns bereiteten. Aber wir sind nicht nur Nutznießer, sondern zugleich mit verantwortlich, dass wir selbst und andere gedeihen können. Gerade da, wo es eher noch nach Wiese aussieht. Sind gerufen aus dem Weg räumen, was am Wachsen hindert. Einzusetzen, was gut und hilfreich ist. Fördern was Kraft gibt statt nimmt. Wo immer es möglich ist in Verbesserungen zu investieren. Mit allem was geht Sorge zu tragen, dass Menschen heiler, Umstände besser, Glaube tiefer und Leben freier wird.
Willkommen in deinem Schrebergarten! Und danke, Papa!

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