Viel zu viele oder so viele wie möglich?

Auf gar keinen Fall durften es zu viele sein. Es gab feste Auswahlkriterien. Die persönliche Befindlichkeit und die Art der Flüssigkeitsaufnahme spielten dabei erstaunlicherweise eine Rolle. Keine Rolle spielte hingegen die Anzahl der Gegner. Obwohl die erschreckend zahlreich waren. Das Ganze also einigermaßen irritierend. Was geht hier vor?

Die Israeliten hatten das von Gott für sie vorgesehene Land eingenommen. Na ja, aber eben nicht so ganz. Zwar hatten sie viele Kämpfe geführt und einige Regionen erobert, aber es war ihnen nicht gelungen, die Bewohner vollständig zu vertreiben. Vielmehr gingen sie dazu über, sich mit ihnen zu arrangieren. Und es kam, wie es kommen musste: Sie wandten sich von Gott ab, zu dessen Volk sie sich damals in der Wüste hatten berufen lassen, und wandten sich den Göttern der bisherigen Bewohner zu. Gott hatte ihnen versprochen, vor ihnen her zu gehen und das Land in ihre Hände zu geben. Aber davon hatten sie sich losgesagt. Folglich gewinnen ihre Feinde wieder die Oberhand. Gott lässt es zu. Und sieht doch ihre Not. Rufen sie ihn um Hilfe, lässt er sich nicht lange bitten.

Immer wieder setzt er Richter ein, die die Israeliten vor ihren Feinden retten sollen. Sie sollten die Israeliten wieder auf den rechten Weg bringen. Ihnen helfen, ihren Blick wieder auf Gott zu richten. Solange das Volk auf die Richter hörte – elf Männer und eine Frau – konnte es die Angreifer zurückdrängen. Dazwischen lagen Zeiten schwerer Niederlagen. Mitten in dieser Richterzeit – das Volk seit Jahren von den Midianitern aufs Härteste unterdrückt – rufen sie in ihrer Not wieder einmal Gott zu Hilfe. Ein junger Mann, Gideon, soll dieses Mal nach Gottes Willen derjenige sein, der das Volk vor den Angreifern retten soll. Gott verspricht mit ihm zu sein.

Bevor es losgehen kann, versichern sie sich gegenseitig ihres Vertrauens. Gideon soll als Beweis den Altar und den Pfahl der Hausgötter abreißen. Von Gott erbittet sich Gideon ein zweifaches Zeichen, damit er sich sicher sein kann, dass er wirklich derjenige sein soll. Und so geschieht es.

Mittlerweile haben sich mehrere Feinde zusammengeschlossen und marschieren auf. Gideon ruft die Männer seines und auch weiterer Stämme zu den Waffen, um den Angreifern gemeinsam entgegenzutreten. Immerhin 32.000 Mann kommen auf seiner Seite zusammen. Je mehr, desto besser, sollte man meinen. Aber nein: Es sind viel zu viele. Zu viele? „Du hast zu viele Leute bei dir“, sagt Gott zu Gideon. Wenn ich dir jetzt den Sieg schenke, könnten sich die Israeliten damit brüsten, es aus eigener Kraft geschafft zu haben. Schick deshalb alle nach Hause die Angst haben.“

Zurück bleiben 10.000 furchtlose Männer. Immer noch viel zu viele, findet Gott. Noch einmal sortiert er sie aus. Je nach Trinkgewohnheit am Fluss bildet er zwei Gruppen. Die kleinere besteht aus 300 Mann. Mit ihnen soll Gideon in die Schlacht ziehen. Die anderen gehen ebenfalls nach Hause. Vermutlich fällt Gideon spätestens jetzt das Herz in die Hose. Zwar hat er sich durch die vorhergegangenen vertrauensbildenden Maßnahmen der Zusage Gottes versichert, aber er hat trotzdem Angst. Denn als Gott ihm vorschlägt, nachts heimlich ins feindliche Lager zu schleichen, um Mut zu fassen, ist er sofort dabei. Dort hört er aus dem Mund eines Midianiters, dass Gott Gideon den Sieg schenken wird. Jetzt ist er bereit und bringt seine Männer in Stellung. Und tatsächlich, der Überraschungscoup gelingt. Widderhörner, Fackeln und Tontöpfe reichen aus, um die Feinde in die Flucht zu schlagen. Überraschung? Wirklich?

Wir entdecken hier ein Prinzip, das sich durch die ganze Geschichte Gottes mit uns Menschen zieht: Es ist einzig und allein Gottes Sache, den Feind in die Flucht zu schlagen. Er sorgt für Rettung. Entscheidend ist dabei weder die Anzahl der Beteiligten noch das Kriegsgerät, sondern das Vertrauen in Gott und seine Zusagen. Was damals für das Volk Israel seit ihrer Rettung aus Ägypten galt ist noch immer gültig. Gott steht zu seinen Zusagen und zu den Menschen, die zu ihm gehören wollen. Er war der, der ihnen den Weg ebnete in das verheißene Land. Hier sollten sie gemeinsam mit ihm ein Licht sein für die anderen Völker. Damit auch alle anderen Gott erkennen können. Was diesen heilsbringenden Plan immer wieder unterbricht, ist der Eigensinn der Menschen. Wann immer sie sich in einer Position der Stärke wähnen, vergessen sie, dass es Gottes Kraft war, die sie dorthin geführt hat. Nur zu schnell beziehen sie die Erfolge auf ihr eigenes Vermögen. Das ging später auch Gideon so. Was für ein Trugschluss. Aus dem mit Gott unterwegs sein wird ein eigensinniger Weg. Wenn wir Gott aus den Augen verlieren und glauben, dass wir es selbst hinkriegen oder einfach fünf gerade sein lassen können, haben wir ganz schnell ein Problem. Und zwar eines, für das wir selbst verantwortlich sind. Wir neigen zur Selbstüberschätzung. Dafür will uns Gott die Augen öffnen. Denn wir sind nicht in der Lage den Feind zu besiegen. Rettung gibt es nur in Verbindung mit ihm. Selbstrettung ist unmöglich.

Es ist immer Gott, der für die Rettung sorgt. Vollenden wird sich das, was wir hier in der Geschichte mit Gideon entdeckt haben, in der Kreuzigung und Auferstehung Christi. Gott bleibt sich treu. Er selbst tritt durch seinen Sohn Jesus in diese Welt, um uns die Rettung zu bringen, die wir selbst nie hinkriegen können. Besiegt den Tod, unseren allerletzten Feind, dem wir ausgeliefert sind als vor Gott schuldig gewordene Menschen. Wenn wir Jesus vertrauen, hat dieser Feind keine Chance. Dann werden wir durch ihn als Sieger dastehen. Und so wie Gideon inmitten des feindlichen Lagers lässt uns Gott diese gute Nachricht des Sieges hören und wir dürfen Mut fassen.

Trotz allem bedeutet das nicht, dass wir Menschen inaktiv bleiben. Vielmehr gilt es diese Zusage zu erfassen. Dieses Angebot zu ergreifen. Und das ist zutiefst aktiv. Es erfordert eine Entscheidung unsererseits. Sich Gott anzuvertrauen und mit ihm zu leben ist nie passiv. Gott rettet niemand aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, sondern immer aufgrund der persönlichen Hinwendung zu ihm. Rettung geschieht nicht gegen unseren Willen. Das galt in der Richterzeit genauso wie heute. In der Richterzeit ließ Gott die Angriffe der Feinde zu, damit die nachfolgenden Generationen entscheiden mussten, ob sie weiterhin zu ihm gehören wollten. Sie sollten ebenso wenig glauben, dass sie automatisch gerettet waren als Teil des Volkes Israel, wie wir das glauben sollten, nur weil wir in eine historisch christlich geprägte Gesellschaft hineingeboren wurden oder zu einer bestimmten Denomination gehören.

Rettung ist immer Gottes Sache. Sich für diese Rettung zu entscheiden und in der Verbundenheit mit Gott zu leben ist unsere Sache. Mit einem ehrlichen, einfachen Gebet: „Jesus, rette mich. Ich glaube, dass du der bist, der meine Schuld wegnimmt. Ich will mit dir leben“, kannst du eine solche Entscheidung formulieren.

Erst in der Verbundenheit mit Gott wird es zum Segen, wenn es viele sind. Richtig, richtig viele. So viele wie nur irgend möglich. Denn das ist Gottes Ziel: Dass sich so viele Menschen wie möglich retten und in seine Gemeinschaft rufen lassen. Weil es gut für uns ist. Weil er uns liebt. Dich auch!

Nachzulesen im Buch Richter, insbesondere Kapitel 6-7