Die Kraft des Dienens

Die Kraft des Dienens

Zwei Jünger, die sich die besten Plätze sichern wollen. Die Macht, das Sagen haben wollen. Oben dabei, wenn Jesus König wird. Zehn andere, die darüber ziemlich verärgert sind. Die Frage, wer von ihnen der Größte ist, die sie unentwegt beschäftigt. Das nimmt Jesus zum Anlass, allen seinen Jüngern nochmals Grundsätzliches über sich und sein Reich zu sagen:

„Die Herrscher über die Völker spielen sich als Herren auf und die Völker bekommen ihre Macht zu spüren. Bei euch soll das Gegenteil der Fall sein. Bei euch soll es nicht darum gehen groß zu sein, sondern den anderen zu dienen.“

Wahre Größe zeigt sich also in der Dienstbereitschaft. Damit uns klarer wird, was damit gemeint ist, müssen wir zuerst mehr von dem verstehen, wer dieser zukünftige König ist und wie sein Reich deshalb aussehen wird.

Jesus will deutlich zu machen, dass sein Reich von ganz anderer Art ist. Denn der König dieses Reiches, der Menschensohn, er selbst, Gott und Mensch, er ist gekommen um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben. Das ist die entscheidende Aussage in dieser Situation.

Um das und was daraus folgt näher zu beleuchten, richten wir 5 Spots aus:

  1. Spot: Kreuzigung

Warum wird Jesus gekreuzigt und warum hat das mit uns zu tun? Er, Jesus, der Sohn Gottes, Schöpfer von Himmel und Erde, er ist der Einzige, der wirklich das Recht darauf hat, dass ihm gedient wird und er verzichtet darauf. Ich, sagt Jesus, bin ein König, der auf alle seine Rechte verzichtet, um euch zu retten. Ich gebe mich hin. Gebe mein Leben hin für euch. Nicht weil es mir genommen wird, sondern freiwillig.

Um euch zu retten, weil ihr Rettung braucht. Weil ihr euch nur um euch dreht. Euer eigenes Ich in den Vordergrund stellt. Das Sagen haben wollt über euch selbst und die anderen. Die Auswirkungen davon sehen wir überall auf dieser Welt. In der Antike genauso wie heute. Das ist es, was euch schuldig macht vor Gott. Dafür müsst ihr euch verantworten. Und der Sünde Sold ist der Tod. Weil alle Menschen vor Gott schuldig geworden sind, müssen sie sterben. Und ohne mich, sagt Jesus, kommt ihr da nicht raus. Denn die Währung für das Lösegeld ist das Leben eines anderen. Nur wenn ein anderer an eurer Stelle stirbt, könnt ihr am Leben bleiben. Deshalb werde ich am Kreuz sterben und auferstehen. Deshalb bin ich als Retter auf diese Welt gekommen. Ich bin dieser andere an eurer Stelle. Ich sterbe, damit ihr Leben habt. Aus Liebe.

Wenn ihr das glaubt, dann gehört ihr zu denen, die in meinem Reich leben werden. Und zwar als Gerettete. Gerettet aus Gnade. Verdient habt ihr euch das nicht. Das könnt ihr gar nicht. Egal was ihr anstellt. Es ist mein Geschenk an euch, weil ich euch liebe. Weil es nichts Besseres gibt als in meinem Reich zu leben. Weil es nur hier ein Miteinander von Gott und Mensch und Schöpfung gibt. Weil hier euer wirkliches Zuhause ist. Weil wir hier eine Familie sind.

Jesus gibt sein Leben hin für uns, damit wir gerettet werden. Damit unsere Schuld vergeben wird und wir Leben haben. Das ist das Evangelium – die gute Nachricht Gottes. Nur weil Jesus uns dient, können wir dienen.

  • Spot: Auferstehung

Jesus gibt sein Leben für uns hin. Das haben wir jetzt verstanden. Aber was passiert denn, als Jesus für uns am Kreuz stirbt und aufersteht?

Er siegt. Er besiegt die Sünde. Er besiegt den Tod. Gottes neues Reich bricht an. Jesus wird König. Seine Hingabe, seine Schwäche, sein Geringsein, sein Dienst für uns wird zu einer überwältigenden Kraft, der nichts mehr standhalten kann. Im Epheserbrief, Kapitel 1,19, lesen wir von der gewaltigen Stärke, einer überwältigend großen Kraft, mit der Gott am Werk war, als er Christus von den Toten auferweckt hat. Seine Hingabe setzt eine überwältigende Kraft frei.

In einem Reich, in dem Jesus mit denen, die an ihn glauben lebt, ist der Maßstab für Größe immer Hingabe. Hingabe, die nicht sich selbst, sondern den anderen im Blick hat. Hingabe, durch die Gottes Macht frei gesetzt wird. Ebenfalls in Epheser 1 lesen wir, dass wir durch den heiligen Geist erkennen, dass Gott mit der gleichen überwältigen Kraft unter den Glaubenden am Werk ist, mit der er Christus von den Toten auferweckt hat. Und in Epheser 6,10, dass wir stark werden sollen durch die Macht seiner Stärke. Gott mit uns und in uns mit seiner Kraft, durch seinen heiligen Geist. Stark durch Hingabe.

Wenn die Jünger also aufgefordert werden den anderen zu dienen, dann fordert sie Jesus auf, es ihm gleich zu tun. Zu tun, wofür er durch seinen Tod am Kreuz die Voraussetzung geschaffen hat: Sich für die anderen hinzugeben und damit Gottes Macht freizusetzen. Für einander. Für diese Welt. Dienen, um Gottes Kraft in diese Welt zu bringen. Gottes Kraft ist immer darauf ausgerichtet, zum Glauben an Jesus zu rufen, zu bestärken, frei zu setzen, zu ermutigen, zu lieben, zu tragen. Wo gedient wird, sind Gott und Mensch gemeinsam am Werk.

  • Spot: Gaben

Ein Blick in 1. Petrus 4,10 bringt uns auf die richtige Fährte: „Jeder soll dem anderen mit der Gabe dienen, die er von Gott bekommen hat. Wenn ihr das tut, erweist ihr euch als gute Verwalter der Gnade, die Gott uns auf vielfältige Weise schenkt“.

Wir halten kurz mal fest: Wenn wir zu Jesus gehören, sind wir aus Gnade gerettete Bewohner seines Reiches. Oben und unten ist hier überhaupt kein Thema mehr. Es ist ein Reich, in dem alle, wie ihr König, füreinander Diener sind. Diener, durch die Gottes Kraft wirkt. Durch die Gabe, die Gott jedem geschenkt hat.

Wenn wir uns also einander mit unseren Gaben dienen, uns füreinander und für diese Welt einsetzen, dann ist Gottes Kraft am Werk. Sie ist es, die unser Dienen hilfreich und fruchtbar macht. Kraft gibt, sowohl dem, dem gedient wird als auch demjenigen, der dient. Kraft, die bewirkt, dass wir am Glauben festhalten, in der Nachfolge wachsen, getröstet werden, durchhalten in herausfordernden Situationen. Wenn wir dienen, lassen wir dem Anderen Gottes Kraft zukommen und bekommen selbst Gottes Kraft.

  • Spot: Einander

Wie so etwas aussieht? Ein paar Beispiele aus einem Kreis, zu dem ich gehöre: Eine Person in meinem Kreis hat die Gabe des Glaubens. Egal wie belastend, wie herausfordernd die Situation ist, sie hat ein unerschütterliches Vertrauen darauf, dass Gott es gut machen wird. Damit beschenkt sie uns immer wieder. Das gibt mir Kraft. Ermutigt mich durchzuhalten. Jemand anders hat eine große Liebe zu Jesus. Dieser Person geht der Mund über, wenn sie von Jesus spricht. Und ich lerne von ihr. Lerne meine Gefühle Jesus gegenüber freier auszudrücken. Meine Liebe zu Jesus wird dadurch tiefer. Zwei andere haben eine Leitungsbegabung. Ich fühle mich gut aufgehoben bei ihnen. Sie leiten mich an im Gebet, durch ihre reflektierte Weitsicht und auch in der ganz praktischen Umsetzung im Leben. Dadurch wird meine Beziehung zu Jesus stärker und ich bin mutiger, von meinem Glauben zu reden. Zudem machen mich die Menschen in diesem Kreis immer wieder glücklich durch ihre praktischen Fähigkeiten, mit denen sie mir ihre Verbundenheit und Wertschätzung zeigen. Und auch ich teile was ich zu geben habe und das ermutigt die anderen. Ich liebe es diesem Kreis anzugehören. Wir geben einander die Kraft Christ weiter. Weil wir füreinander da sind. Weil wir uns die Zeit füreinander nehmen, um uns zu treffen. So werden und bleiben wir stark im Glauben. Überleg mal: Wem dienst du mit deinen Gaben und wo wird dir gedient?

Eine Gabe, die wir alle bekommen haben, möchte ich noch erwähnen, weil es ohne sie es nicht geht. Die Beschreibung aus meinem Kreis kommt ja fast zu ein bisschen zu idyllisch daher. Das geht dir vielleicht auch so, wenn du daran denkst, wo du dienst und wo dir gedient wird. Ja, wir erleben etwas von der Kraft des Dienens. Gott sei Dank. Und ja, es verändert unseren Blick, wenn wir verstanden haben, dass hingegebenes Dienen, das den anderen ermächtigt, der Schlüssel ist. Und ja, wir setzen unsere Gaben ein und das ist gut so. Aber es passiert trotzdem immer mal wieder, dass wir in die Kategorien von oben und unten zurückrutschen. Wir unsere Gaben nicht dafür einsetzen, den andern zu kräftigen, sondern unser eigenes Wohl in den Vordergrund rückt. Nicht wir dem anderen dienen, sondern er für unsere Bestätigung oder unsere Ziele herhalten muss. Vergessen, dass die Gabe und die Kraft nicht unser Verdienst, sondern Gottes gnädiges Geschenk für einander ist. Wir kriegen es nicht immer so hin mit dem Dienen. Schlittern rein in so eine Grauzone. Und werden dadurch schuldig aneinander. Verletzen uns statt uns zu stärken. Manchmal merken wir es selbst. Manchmal brauchen wir jemand, der uns darauf aufmerksam macht. Auch das ist ein Dienst. Und dann gilt es um Vergebung zu bitten. Und dann dienen wir einander, indem wir vergeben. Auch das ist Teil dessen, wofür Jesus am Kreuz starb. Nur weil er uns vergibt können wir vergeben. Auch das gehört zur Hingabe: Dem anderen einen Neuanfang zu gewähren. Ihn durch die Vergebung Gottes Kraft spüren zu lassen. Und damit wieder gemeinsam weiter gehen zu können.

  • Spot: Gemeinde

Damit wird die Gemeinschaft der Glaubenden ungeheuer wertvoll. Denn dann wird Gemeinde (und ich meine damit jede Art von Gemeinschaft von Christen, egal wie sie heißt oder aussieht). Denn dann wird Gemeinde zu einem Ort, an dem Gottes Kraft spürbar wird. Ein Platz, an dem wir freier, heiler, reifer und froher werden. Der Ort, an dem Gottes Kraft erlebbar wird. Im Miteinander. Im Dienst aneinander. Dann ist das mehr als an etwas teilzunehmen, mehr als eine Aufgabe zu übernehmen oder etwas abzuarbeiten. Dann ist Dienen unsere Kraftquelle, um durchzuhalten. Um mutig zu sein. Um Licht und Salz für die Welt zu sein. Für die Menschen um uns herum. Weil uns Gott mit seiner Kraft durch den anderen dient. Weil Gott anwesend ist und wirkt. Für uns, in uns, durch uns und mit uns. Nur so ist es möglich, dass uns weder alltägliche Schwierigkeiten noch all die wirklich schweren Dinge des Lebens, Leid, Tod und Verfolgung von der Liebe Gottes trennen können. Nur so ist es möglich, dass das Totenreich niemals stärker sein wird als die Gemeinschaft der Glaubenden.

Wir dürfen uns also getrost vom Denken in oben und unten verabschieden. In Gottes Reich dient jeder dem anderen und jedem wird gedient. Christus zuerst, wir ihm und wir einander durch Gottes Kraft. Wenn wir glauben, der Größte sein zu wollen, entdecken wir das nur im Dienen. In nichts liegt mehr Kraft. Dabei erkennen wir: Es ist eine Ehre und ein Privileg Gott zu dienen. Und es ist die Hoffnung für diese Welt.

Nachzulesen in Lukas 20,20-28 und u.a. in Epheser 1 und 6. Nachzuhören als Vollversion als Predigt unter https://www.dropbox.com/s/g88v32583wmqd38/2021-05-09%20Dienen%20setzt%20Kraft%20frei%20-%20Matth.%2020%2C%2020%20-%2028%2C%20Elke%20K%C3%B6nig.mp3?dl=0