Raus – in den Weinberg

Unsere Gegend ist eine Weinregion. Entlang der Vorbergzone zum Rhein hin reiht sich Weinberg an Weinberg. Tausende von Rebstöcken in langen Reihen. Das ganze Jahr über haben die Winzer und ihre Mitarbeiter im Weinberg zu tun. Schneiden der Reben im Winter. Anbinden der Triebe im Frühjahr. Entfernen der überschüssigen Blätter, Schädlingsbekämpfung und Bodenpflege im Sommer. Und schließlich die Traubenlese im Herbst.

Wenn Jesus eine Geschichte über Arbeiter im Weinberg erzählt liegt es eigentlich nahe, dass es um das geht was sie zu tun haben. Harte, anstrengende Arbeit. Und tatsächlich malt er seinen Zuhörern das Bild vor Augen wie ein Weinbergbesitzer Arbeiter für die zu erledigenden Arbeiten einstellt. Tagelöhner, die er – wie damals üblich – auf dem Marktplatz antrifft. Morgens früh stellt er die ersten ein und im Laufe des Tages immer weitere. Mit den ersten verhandelt er einen Tageslohn. Den anderen verspricht er zu geben was Recht ist. Am Ende des Tages erhalten jedoch alle den vollen Lohn. Egal, wie lange sie gearbeitet haben. Auch wenn die Ersteingestellten zunächst mit Unmut reagieren,  ist spätestens jetzt klar, dass das Thema hier nicht die Arbeit ist, sondern dass es darum geht, gewollt zu sein. Denn als im Laufe des Tages der Weinbergbesitzer die noch herumstehenden Arbeiter fragte, warum sie denn nicht arbeiten, antworten sie, dass niemand sie als Arbeitskräfte gewollt hat. Daraufhin stellt er sie ein. Und das ist der entscheidende Punkt. Der Fokus dieser Geschichte liegt nicht auf der Arbeit, sondern auf dem Gewollt sein. Dieses Gewollt sein kann nicht verdient werden, sondern beruht einzig und allein darauf, dass Gott gnädig ist.

Jesus macht mit diesem Vergleich deutlich, dass jeder Mensch von Gott gewollt und gerufen ist. Wer sich von ihm rufen lässt erhält was für Gott Recht ist und was durch den Tod Jesu am Kreuz möglich wurde: Leben in Ewigkeit bei ihm und mit ihm. Dabei ist es ist völlig unerheblich, wann sich ein Mensch von Gott rufen lässt. Wann auch immer – ob als Kind, als Erwachsener oder als Greis –  wenn wir unser Leben Jesus anvertrauen gilt uns Gottes Gnade.

Wenn du also unterwegs bist diesen Sommer und an einem Weinberg vorbeikommst, dann kannst du Gott reden hören. Er sagt: Du bist gewollt. Meine Gnade gilt auch für dich.