Ein Stoß in die Seite. Ein paar rasche Kommandos und die Aufforderung zu folgen. „Steh auf! Binde deinen Gürtel um und zieh deine Sandalen an! Wirf den Mantel über und komm mit!“ Plötzlich auf der Straße stehen statt gefesselt im Gefängnis zu liegen. Die Ketten einfach abgefallen. Die Türen geöffnet. Von Licht umhüllt und trotzdem ohne Aufsehen zu erregen entkommen. Wie ein merkwürdiger Traum und doch echt. Die Befreiung von Petrus durch einen Engel aus dem antiken Hochsicherheitstrakt des Herodes kommt seltsam praktisch und gleichzeitig wundersam daher. Petrus selbst glaubt immer noch zu träumen als er schon auf der Straße steht. Erst als sein Begleiter verschwindet wird ihm bewusst, dass das Geschehene Realität ist.
Er wurde aus Gefangenschaft befreit. In Sicherheit gebracht. Vor dem Tod bewahrt.
Ihm dagegen wurde Gewalt angetan. Gefangen genommen wurde er und im Gefängnis festgesetzt. Schon bald mit dem Schwert hingerichtet. Nur ein paar kurze Zeilen lang – die Meldung, wie Jakobus zu Tode kam. Jakobus, auch einer der zwölf Apostel. Wie Petrus, einer der engsten Weggefährten Jesu.
Er wurde ans Messer geliefert. Aus dem Leben gerissen. Ein brutaler Tod.
Nur ein paar Verse trennen die Geschichten der beiden Weggefährten. Für Petrus die Rettung, für Jakobus den Tod. Wie kriegen wir das zusammen? Wie haben die das damals zusammen gekriegt?
Tatsächlich haben sie damit gerechnet.
Sie hatten, so krass das klingt, bereits Erfahrungen gesammelt. Jakobus, Petrus und all die anderen hatten seit der Entstehung der Gemeinde schon beides erlebt: Sowohl die Rettung aus dem Gefängnis von denen, die zu Jesus gehörten als auch deren Tod. Jesus selbst hatte sie darauf vorbereitet, dass verfolgt und getötet werden würde, wer sich zu ihm bekennt. Da waren sie ganz realistisch. Es gehört dazu. Ja, es ist sogar eine Art Kennzeichen für diejenigen, die sich zum Himmelreich zugehörig nennen können. Sie wussten, was auf sie zukommt. Sie waren bereit, so zu leben und zu sterben. Sie wussten, was sie taten. Sie vertrauten Jesus vollkommen und ihm damit auch ihr Leben an. Er selbst war diesen Weg gegangen. Aber sie wussten auch, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Und nicht nur sie damals wissen das. Viele Christen, die in Ländern leben, in denen sie ihr Glaube in Gefahr bringt, leben das auch heute. Wir, die wir (noch) unbehelligt glauben können, dürfen das dankbar aus Gottes Hand entgegen nehmen. Auch diese Zeiten gibt es. Und doch ist es auch ein Wort an uns. Beides ist Realität. Im Ernstfall sollten wir nicht überrascht sein.
Leben ist mehr
Bei Jesus sein ist bei weitem mehr als unser irdisches Leben. Das Beste kommt noch. Das soll jetzt keinem Diesseitspessimismus das Wort reden. Das Leben hier ist nicht per se das Jammertal, das wir durchschreiten und durchleiden müssen, bis wir endlich in den Himmel kommen. Vielmehr dürfen wir hier schon etwas davon schmecken und sehen von der Schöpferkraft, der Schönheit und der Liebe unseres Gottes. Aber es ist auch nicht der Ort, an dem sich alle unsere Sehnsüchte und unser Hunger nach heilem Leben vollständig erfüllen müssen. Vielmehr ist es der Teil unserer Geschichte, in der unser Schöpfer uns Hand und Herz entgegenstreckt. In der wir uns ihm anvertrauen können und sich eine Hoffnung in uns breit macht, die bis in die Ewigkeit reicht. Eine Hoffnung, die sich auf dem Versprechen Gottes gründet, dass alles vollbracht ist. Weil es einer für uns vollbracht hat – Jesus, der für uns starb und auferstand, damit wir leben können. Paulus, ebenfalls ein Apostel Jesu, teilt seine Gedanken zu diesem Thema in seinem Brief an die Christen in Philippi. Jesus, sagt er, ist der wesentliche Inhalt meines Lebens. Durch und mit ihm lebe ich. Schon jetzt und auch in Zukunft. Hier und im Himmel. Deshalb ist es eigentlich egal, ob ich lebe oder sterbe. So oder so kann ich zuversichtlich sein.
Unser westlich geprägtes Christsein tut sich da nicht leicht damit. Leben wir doch in einer Welt, die uns vorgaukeln will, dass die Optimierung des eigenen Lebens der eigentliche Sinn ist. In der von einem Recht auf persönliches Glück ausgegangen wird. Lifestyle, Worklifebalance und Löffelliste (was noch erlebt werden will, bevor man den Löffel abgibt) den Takt vorgeben. Wo in 80 oder 90 Jahre hineingepresst werden muss, was immer das Leben hergeben kann. Unseren Blick immer und immer wieder auf Jesus zu richten hilft uns, uns nicht davon blenden zu lassen, sondern zu erleben, dass es kein größeres Glück gibt, als Gott nahe zu sein.
Am Ende ist alles gut
Was so daher gesagt klingt, ist im Tiefsten wahr. Wer zu Jesus gehört, für den ist am Ende alles gut. Das ist das Beste. Es ist ein Ende, das damit beginnt, dass wir zulassen, dass Jesus unsere Schuld nimmt, erträgt und vergibt. Ein Ende, das damit beginnt, dass Schluss ist mit unserem bisherigen Leben ohne Gott. Ein Ende, das mit hoffnungsvollem neuen Leben in Christus beginnt – im Hier und Jetzt. Ein Ende, das uns im Leben und im Tod durchträgt. Leben lebenswert und Sterben in Frieden möglich macht. Egal wie, egal wann. Weil dieses Ende von Anfang an die Ewigkeit in sich trägt. Allein weil wir Jesus haben. Weil wir zu ihm gehören. Jesus, der von sich selbst sagt: Ich bin der Anfang und das Ende und der Ewige. Jakobus, Petrus und Paulus wussten das. So und nur so kriegen wir es zusammen: Wer zu Jesus gehört, der lebt, auch wenn er stirbt. Gott sei Dank.
(Nachzulesen in Apostelgeschichte 12, 1-10, Philipper 1,21, Off. 22,13 und Johannes 11,25)

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