Verstehen feiern

Jetzt war der Groschen gefallen. So lange waren sie schon wieder da, aber erst jetzt hatten sie es verstanden. Männer, Frauen, Kinder – stundenlang standen sie da und hörten zu. Immer klarer wurde es ihnen. Spitzten die Ohren, als das Gesetz – die ganze Geschichte ihres Volkes mit Gott – vorgelesen wurde. Bewegten die Erklärungen zu den Passagen in ihren Gedankengängen. Und da hat es sie plötzlich gepackt. Sie wussten auf einmal wieder wer sie waren. Wer ihr Gott war und warum sie zu ihm gehören sollten. Wie langmütig und gnädig er war. Wie treu er zu ihnen hielt, obwohl sie immer und immer wieder untreu gewesen waren. Schon immer hatte sich Gott ihnen gezeigt und jetzt hatten sie ihn wieder erkannt. Plötzlich war es kein oberflächliches Wissen mehr. Kein distanziertes Kennen einer alten Geschichte. Sondern das Wiederentdecken einer Identität. Ihrer Identität. Ganz persönlich und gleichzeitig gemeinsam. Sie hatten sich selbst als Gottes Volk wiedergefunden. Sie wussten jetzt wieder, dass sie zu ihm gehörten. Zu ihm gehören wollten. Was der mühsame Wiederaufbau des Tempels und der Bau der Stadtmauer von Jerusalem nach der Rückkehr aus Babylon allein nicht vermochten geschah durch das Erinnern an Gottes Weg mit ihnen. Worte voller Kraft, die ihnen so nahe gingen, dass sie anfingen zu weinen.

Aber da sagt Nehemia, einer von denen, die vorgelesen und erklärt hatten, zu ihnen: „Weint nicht! Heute ist ein heiliger Tag für den Herrn, euern Gott. Seid nicht traurig, sondern feiert! Feiert ein Freudenfest – mit köstlichem Essen und süßen Getränken. Teilt was ihr habt, damit alle mitfeiern können!“ Und genau das taten sie. Alle zusammen. Sie feierten ein Freudenfest, weil sie die Worte verstanden hatten, die ihnen gesagt worden waren.

Mehr als 400 Jahre später wird es den Einwohnern von Jerusalem wieder so ergehen. Als Petrus an Pfingsten die Juden an ihre Geschichte und die Vorhersagen Gottes erinnert, da geht es auch ihnen durchs Herz. Sie verstehen plötzlich, dass Jesus der von Gott gesandte Retter ist. Der Retter, der sein Leben für ihres gab. Als einmaliges und endgültiges Opfer, um all das wegzunehmen, was sie von Gott trennte. Sie spüren, dass ihnen Gott nahe geht. Dass er ihnen nahe kommt. Endlich haben sie verstanden, was sie bisher nur gehofft hatten. Und sie werfen sich in seine Arme und lassen sich auf seinen Namen taufen. Und dann feiern sie. Feiern, dass sie wieder zu Gott gehören. Jeden Tag. Im Tempel und in den Häusern. Essen zusammen und loben Gott. Voller Freunde und mit großer Herzlichkeit teilen sie was sie haben. Feiern, weil sie verstanden haben, wer sie sind: Gottes geliebte Kinder, die nach Hause zu ihm gefunden haben.

Später machen Menschen aller Nationalitäten diese Erfahrung. Denn Gottes Angebot, zu ihm zu gehören, steht allen offen. Das wird auch den ersten jüdischen Christen schnell klar. Und wann immer sich Menschen Gott zuwenden und in Jesus ihren persönlichen Retter entdecken ist das ein Grund zu feiern. Heute wie damals. Wer verstanden hat, der feiert. Feiert ein Leben lang. Ob Sonntag oder Alltag. Zu Jesus zu gehören ist ein Fest. Ein Fest, das wir uns wie das Hochzeitsfest eines Königssohns vorstellen sollen. Umwerfend schön. Wir sind eingeladen mitzufeiern. Verstanden?

Nachzulesen u.a. in Nehemia 8, Apostelgeschichte 2 und Matthäus 22,2