Augenblick Brillenfinder

Heute Morgen hat es mich aus der Kurve gehauen. Ein dünner, unsichtbarer Nebelreif auf dem Fahrradweg und schon war es passiert. Ziemlich unsanft habe ich mich auf dem Asphalt wiedergefunden. Brust und Kinn sind auf den Boden aufgetroffen, soviel habe ich in den Bruchteilen der Sekunden wahrgenommen. Aber ich fühlte mich noch ziemlich ganz als ich mich wieder aufrappelte. Ein paar Körperteile geprellt, Schürfung an Knie und Kinn, aber alles einigermaßen schmerzfrei beweglich. So weit so gut. Also Fahrrad wieder aufgestellt und meine Sachen zusammengesammelt. Dabei beschlug meine Brille und ich legte sie kurz in meinem Fahrradkorb ab, um nach einem Taschentuch zu suchen. Und ihr glaubt es nicht, genau in diesem Moment kam das Fahrrad wieder ins Rutschen und kippte in die angrenzende Wiese. Dumm nur, dass dazwischen ein wassergefüllter Graben lag. Ein netter Fahrradfahrer, der vorbei kam, half mir das Rad zu bergen und reichte mir Taschentücher. Und erst da fiel mir auf, dass ich ohne Brille unterwegs war. Wo hatte ich sie noch hingelegt? Zwanzig Minuten suchten wir gemeinsam die Wiese und den Bach ab. Das Fahrradschloss, das ebenfalls im Korb gelegen hatte, fanden wir rasch im Graben. Die Brille blieb verschwunden, obwohl wir jeden Quadratzentimeter scannten. Auch den Graben durchkämmte ich mit meinen Händen. Irgendwann verabschiedete sich der Radler mit dem Tipp später wieder zu kommen, um weiter zu suchen. Aber ich konnte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden ohne meine Brille wegzugehen. „Jesus“, betete ich, „ich brauche diese Brille. Bitte hilf mir sie wieder zu finden.“ Ich beugte mich wieder zum Graben und fischte darin herum. Und dann sah ich sie plötzlich – gut erkennbar am Rand des Grabens liegen. Unbeschädigt und an einer Stelle an der nicht nur ich, sondern auch der freundliche Helfer schon mehrfach gesucht hatten. Jesus hat meine Brille gefunden – wie krass ist das denn! Und danke Jesus, du bist meine Hilfe in der Not.