Gedankenschnipsel Umwege

Unterwegs zur Arbeit. Seit ein paar Monaten werden im Ort, den ich durchqueren muss, Glasfaserkabel verlegt. Plötzlich waren Straßen mit lauter aufgegrabenen, nur provisorisch geteerten Kanalschächten zu überwinden. Eine ziemlich holprige Angelegenheit. Abbremsen und wieder antreten inklusive. Dem Fahrrad tut das auch nicht gut. Also lieber umfahren. Muss halt sein. Ein paar Kilometer weiter: Wie, da ist jetzt gesperrt? Bauzaun und Umleitungsschild statt schwungvoller Zieleinfahrt. Wieder eine kleine Extraschleife. Statt vom Start auf dem kürzesten Weg zum Ziel zu gelangen wurde die Fahrt mehr zum Geschlängel. Zuerst hat es mich genervt. Aber nicht lange. Denn ich habe schnell gemerkt, dass mich Umwege bereichern. Man erlaubt sich ja sonst nicht so oft Umwege. Schließlich hält man den bisherigen Weg ja für den besten. Zumindest denkt man das solange, bis man gezwungen wird, etwas anders zu machen. Ich habe angefangen Umwege schätzen zu lernen: durch sie entdecke ich Neues. Kenne ich mich wieder ein Stückchen besser aus. Finde Querverbindungen, die ich nicht kannte. Sehe Schönes und Interessantes, das ich sonst verpasst hätte.

Ganz ähnlich geht es mir auch im Glauben. Manchmal schickt uns Gott in unserem Leben auf Umwege. Stehen wir davor sind wir selten begeistert. Sind wir sie gegangen sind wir dankbar für alles was wir durch sie entdeckt haben. Sie haben unseren Blick weiter und unseren Glauben tiefer gemacht. Unsere Sicht auf die Welt und auf uns selbst hat sich verändert. Der Erfahrungsschatz ist größer geworden. Denken und Handeln verändern sich dadurch. Und erstaunlicherweise beschleunigen sie manchmal unseren Weg.

Mittlerweile habe ich wieder freie Fahrt. Aber den einen Umweg habe ich beibehalten. Tatsächlich ist diese Route angenehmer und auch ein bisschen schneller als meine gewohnte. Ich habe es bisher nur nicht gewusst.