„Geh und wasch dich sieben Mal im Jordan. Dann wird deine Haut wieder gesund und du wirst geheilt sein!“ Eine bessere Antwort hätte er doch gar nicht kriegen können. Der Fluss war nah und die Aufgabe einfach zu erfüllen. Waschen und schon gesund. Aber nein, er schäumt vor Wut. Beleidigt geht er weg. SO hat er sich das nicht vorgestellt. SO nicht! Wenn er das gewusst hätte wäre er gar nicht erst gekommen. Ein bisschen mehr Dramatik hätte er schon erwartet. Was sollte das denn für ein Gott sein, der ihn angeblich heilen konnte, wenn er sich nur waschen sollte.
Aber kurz zurück auf Anfang: Auf den Rat eines gefangenen israelitischen Mädchens aus seinem Haushalt war Naaman losgezogen. Bei einem Propheten in Samaria sollte Heilung zu finden sein. Er ist ein angesehener Heerführer des Königs von Aram. Mit königlichem Schreiben und Geschenken ausgestattet hatte er sich aufgemacht. Aber natürlich hatte er nicht irgendeinen dahergelaufenen Propheten aufgesucht, sondern lieber gleich den König von Israel. Sollte der nicht das Sagen haben? Doch der König glaubt mehr an einen taktischen Vorwand des Besuchs als an Gottes Kraft. Er wittert Streit – der Gedanke an Krieg liegt plötzlich in der Luft. Doch als Elisa, der Prophet, davon hört, lässt er Naaman zu sich schicken. Voller Getöse, mit Pferden und Streitwagen, fährt Naaman vor Elisas Haus auf. Da lässt ihm Elisa durch einen Diener ausrichten, was zu tun ist. Jordan – waschen. Er lässt ihm ausrichten? Spätestens jetzt ist Naaman völlig durch. Er, die große Nummer Arams: „Er hätte doch wenigstens persönlich herauskommen können! Die Hand über meinem Aussatz ausstrecken und seinen Gott anrufen, damit er mich heilt! Und dann in diesem Flüsschen da? Sind unsere Flüsse vielleicht nicht gut genug! Warum kann ich mich nicht in ihnen waschen!“ Und fast, fast wäre er einfach wütend und aussätzig nach Hause gegangen.
Gott sei Dank hatte er Begleiter, die ihm gut zureden. „Du hättest doch auch was Schwieriges gemacht, wenn der Prophet das gefordert hätte. Dann kannst du doch auch was Einfaches machen.“ Und da geht er tatsächlich zum Fluss und taucht sich sieben Mal unter. Und seine Haut wurde so gesund wie die eines kleinen Kindes.
Jetzt geht er zu Elisa zurück. Heil an Haut und Herz. „Ich weiß jetzt, dass es keinen anderen Gott gibt auf der Welt. Keinem anderen werde ich mehr dienen!“ sagt er jetzt. „Geh in Frieden“, antwortet Elisa.
Fast hätte ihn seine Selbstüberzeugung, sein Anspruchsdenken und sein Standesdünkel seine Heilung gekostet. „Ich bin doch wer. Ich weiß doch wie es gehen muss. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Ein bisschen mehr Chichi hab ich doch schon verdient.“ Sein Glück, das die Dienerin seiner Frau und seine Begleiter einen unverstellten Blick haben und ihm das Richtige raten. Sein Glück, dass er letztendlich tut, was zu tun ist. Und so nicht nur sein Körper, sondern auch die Beziehung zu Gott heil wird.
Was einfach klingt, ist für manchen gar nicht so leicht. Dabei geht es nicht um das, was zu tun ist. Sondern darum, ob wir bereit sind auf das zu hören, was Gott uns sagt. Da geht es uns schnell mal wie Naaman. Je mehr wir glauben, der Nabel der Welt zu sein, desto schwerer fällt es uns: Einfach zu tun, was Gott uns sagt. Dann hält uns die Überzeugung, zu wissen, wie es laufen muss, davon ab. Und wir verpassen es, Gott zu begegnen. Statt einfach wollen wir es lieber möglichst kompliziert und aufwendig, damit wir uns etwas darauf einbilden können. Wir es geschafft haben – zumindest glauben wir das. Jetzt muss doch Gott davon überzeugt sein, wie toll und würdig wir sind. Jetzt muss er uns doch geben, was wir uns von ihm wünschen. Tja, nur liegen wir damit einfach falsch.
Das Gegenteil ist der Fall. Wir können Gott nicht von uns überzeugen. Und wir müssen Gott nicht von uns überzeugen. Er liebt uns. Er will das Beste für uns. Schon immer. Statt uns selbst im Weg zu stehen, dürfen wir zu ihm kommen wie die Kinder. Uns unsere Machtlosigkeit einzugestehen lässt uns Gottes Macht erleben. Was wir dafür tun müssen? Ganz einfach: Auf das hören, was er sagt. Und danach handeln. Was Gott uns sagt? Er sagt: „Er – Jesus – ist mein Sohn. Hört auf ihn.“
Jesus sagt: „Komm. Vertrau mir. Gib mir deine Schuld. Lern von mir.“ Ganz einfach.
Nachzulesen in 2.Könige Kapitel 5, 1-19 und im Lukasevangelium Kapitel 9, 15

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