
Wir wohnen hinter der Schranke. Egal ob wir in die Stadt oder zurück nach Hause wollen – es führt kein Weg an ihr vorbei. Oft nervt sie uns. Gefühlt ist sie fast immer unten. In jedem Fall häufiger als uns lieb ist. Tatsächlich stimmt das aber gar nicht. Man nimmt sie nur vor allem dann wahr, wenn sie uns bremst. Und dann steht man mal wieder da. Wartet gezwungenermaßen. An ungeduldigen Tagen macht man die Schranke persönlich dafür verantwortlich uns im Weg zu stehen. Habe ich nicht gerade Wichtigeres zu tun? Schnell, schnell, ich muss da durch. Die Wartezeit, obwohl nur kurz, wird so zur Qual. An weiseren Tagen behält die Dankbarkeit die Oberhand: Sie schützt mich, diese Schranke. Mein Leben und meine Unversehrtheit. Abgesehen davon ermöglicht sie mir eine kleine Atempause in der Hektik des Alltags. Innehalten. Einen Blick ins Grüne. Ein rasches Gebet. Ein Lauschen auf das Plätschern des Flusses. Ein Zusammentreffen mit den Mitwartenden. Ein kleines Gespräch. Ein Lächeln von der gegenüberliegenden Seite. Danach gehe ich anders weiter. Ruhiger. Fröhlicher. Verbundener.
Ich habe angefangen dankbarer für die Schranken in meinem Leben zu werden. Die an der Bahn und die, mit denen Gott mich liebevoll ausbremst. Auch wenn es mich erst einmal nervt. Ich lieber schnell weiter gehen will. Aber ich weiß: Sie geben mir Gelegenheit meine Pläne zu überdenken. Ruhe zu finden. Das leise Reden Gottes zu hören. Mein Umfeld nicht aus dem Blick zu verlieren. Mich zu erden. Mich neu auszurichten. Nicht in Gefahr zu laufen. Sicher zu stehen. So gehe ich anders weiter. Ruhiger. Fröhlicher. Verbundener. Schrankendankbarer.
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.