Gedankenschnipsel Jeden Tag

Gerade feiern wir es wieder – Ostern. Wir gedenken dem Tod Jesu am Kreuz. Karfreitag – ganz auf das Leiden und Sterben Christi ausgerichtet. Dann, am dritten Tag, die erhebende Botschaft des Sonntags: „Der Herr ist auferstanden!“ Wir feiern Gottes Liebe zu uns Menschen – seine Rettung für uns. Und versteht mich nicht falsch – das ist gut und richtig. Das glaube ich ja, ja – es ist das Zentrum meines Glaubens. Christus ist für meine Schuld gestorben. Stellvertretend für mich. Mir ist vergeben. Er hat ein für alle Mal den Weg zu Gott frei gemacht. Er lebt und ich darf mit ihm leben in Ewigkeit. Gott sein Dank.

Und trotzdem, trotzdem haben es diese beiden Gottesdienste und ich nicht so leicht miteinander. Da sitze ich im Karfreitagsgottesdienst und kriege es einfach nicht hin eine angemessen bedrückte Miene zu machen. Obwohl ich ahne – verstehe wage ich nicht zu sagen – was es Jesus gekostet haben muss. Ich freue mich einfach zu sehr. Ich weiß ja schon um den Sonntag. Ich bin so dankbar, so begeistert dankbar für diese Rettung, die auch mir gilt, dass ich einfach nicht aufhören kann zu lächeln.

Und dann komme ich am Sonntagmorgen an, spreche oder beantworte den traditionellen Ostergruß. Na, jetzt ist das doch okay mit der ganzen Freude, werdet ihr vielleicht denken. Jetzt also – raus damit mit der vollen Packung Lächeln im Gesicht. Und ich sitze im Gottesdienst – und ja, ich freue mich – genauso wie am Freitag. Keinen extra Ostersonntagsfreudenlevel, wie ich es manchmal von mir selbst erwarte. Ich freu mich einfach.

Ich habe mich gefragt, warum das bei mir so ist. Und nur eine Erklärung dafür gefunden: Das, was damals auf Golgatha, was ein für alle Mal geschah und gültig ist – es gilt für mich: jeden Tag. Es gibt keinen Tag, an dem mir das Kreuz und die Auferstehung nicht vor Augen wären. Keinen Tag, an dem ich Jesus nicht meine Schuld bringen und bei ihm loslassen kann. Keinen Tag, an dem er mir nicht Vergebung zuspricht. Keinen Tag, an dem ich seiner Liebe nicht gewiss sein darf. Keinen Tag, an dem sein Wort nicht davon zu mir redet. Kein Essen und Trinken, bei dem wir nicht schmecken und sehen wie groß seine Hingabe für uns war. Keinen Gottesdienst, an dem wir nicht feiern und ihn anbeten, weil er uns vom Tod zum Leben gebracht hat. Denn seit dem ersten Ostern ist er ganz Gott mit uns oder, vielleicht besser gesagt, können wir ganz mit ihm sein. Und das bin ich – durch ihn. Und deshalb freue ich mich – jeden Tag.