Was hat ihn denn da geritten? Echt komische Idee. Man könnte doch meinen, für diesen Tag wäre es genug gewesen. Erst hatten sie lange, sehr lange Jesus zugehört. Keine leichte Kost, diese komplexe Liste an herausfordernde Themen. Und überall die ganzen Leute. Dann noch die rasch zu organisierende Pop-Up-Verköstigung am Ende. Uff. Jetzt endlich Feierabend – also nichts wie rein ins Boot. Wenigstens um die Verabschiedung der Menschenmassen waren sie herumgekommen. Aber statt jetzt entspannt über den See zu rudern, kämpfen sie mit Gegenwind.
Jesus – ja, der wollte irgendwie nachkommen. Vermutlich mit der antiken Version eines Anruf-Sammel-Bootes oder so. Und dann, während sie sich immer erschöpfter in die Riemen legen, sehen sie eine Gestalt auf dem Wasser. Eine menschliche Gestalt. Auf dem Wasser. Also wirklich auf dem Wasser. Nicht schwimmend im, sondern laufend auf dem Wasser. Das geht doch nicht – das ist unmöglich. Das Herz fällt ihnen senkrecht ins Untergewand. Ein Gespenst – Panikattacke mal zwölf. Aber dann redet die Gestalt mir ihnen. „Fürchtet euch nicht“, sagt Jesus, „ich bin es. Ihr braucht keine Angst haben!“ und steht einfach so auf dem Wasser herum.
„Ja, super. Danke Jesus. Ist ja auch ganz normal, dass du da so zu Fuß über den See kommst. War das letzte Boot schon weg und da hast du dir einfach gedacht, ich gehe jetzt halt zu Fuß nach Hause oder was? Und tust jetzt auch noch so, als wäre das kein großes Ding. Fürchtet euch nicht. Ja klar. Jetzt steig schon ein ins Boot, damit unser Blutdruck wieder ein bisschen nach unten fahren kann.“
So oder so ähnlich hätte man sich die Reaktion vorstellen können. Aber nein. Petrus packt es plötzlich. Jetzt will er es genau wissen. „Wenn du es wirklich bist, dann befiehl mir über das Wasser zu dir zu kommen“, sagt er. Die anderen trauen ihren Ohren kaum. „Na dann, komm“, sagt Jesus. Und Petrus steigt aus dem Boot. Ein Schritt, noch einer und noch einer. Er läuft tatsächlich auf Jesus zu. Aber dann spürt er den starken Wind, sieht die Wellen und bekommt es mit der Angst zu tun: Das geht doch gar nicht, was er hier macht. Menschen können nicht auf dem Wasser laufen. „Rette mich, Jesus“, ruft er während er tiefer sinkt. Und Jesus fasst ihn an der Hand, hält ihn fest und sie steigen gemeinsam ins Boot. Unmittelbar danach erreicht das Boot das Ufer.
Aber – warum müssen die beiden eigentlich überhaupt auf dem Wasser laufen? Kranke heilen, Menschen satt machen – okay. Das macht ja irgendwie Sinn. Aber Wasserlaufen? Warum hat Jesus das getan? Und warum berichten uns die Evangelien von Matthaus, Markus und Johannes davon?
Ziemlich schnell schaut man in die Richtung von Petrus. Typisch, dass der den Mund mal wieder zu voll nimmt. Ja, hätte er nur anständig vertraut und geglaubt, dann hätte das schon geklappt mit dem Wasserlaufen. Echt jetzt?
Aber wenn wir auf den Schluss der Geschichte schauen, bekommen wir eine andere Denkrichtung: Denn als Jesus im Boot ist, werfen sich die Jünger auf die Planken und bekennen: „DU bist der Sohn Gottes.“ Und das bringt uns auf die richtige Spur. Und die heißt: Gott macht das Unmögliche möglich. Plötzlich geht es um mehr als improvisiertes Stand-up-paddling ohne Brett. Wasserlaufen wird zu einer lebendigen, einer persönlichen Erfahrung von Gottes Gegenwart. Zu einem Beweis seiner Macht. Und das einfache „Komm“, mit dem Jesus auf Petrus reagiert, wird plötzlich zu einer lebensrettenden Einladung.
Denn wir erkennen hier etwas Grundsätzliches: So unmöglich es für Menschen ist auf dem Wasser zu laufen, so unmöglich ist es für uns zu Gott zu kommen. Wir können es nicht. Keine Chance. Aber wir können wie Petrus Jesus bitten, uns zu ihm kommen zu lassen. So, und nur so geht es. Und dann wird er auch dir zurufen zu kommen. Denn er, Jesus, ist es, der für uns das Unmögliche möglich gemacht hat: Durch seinen Tod am Kreuz hat er die Schuld, die uns von Gott trennt, auf sich genommen. Durch ihn können wir zu Gott kommen. Und wie bei Petrus bewahrt uns seine rettende Hand vor dem Untergehen und bringt uns sicher an Land.
Nachzulesen in Matthäus 14,22 – 33, Markus 6,45 – 52, Johannes 6, 16 – 21

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