Stilleliebe

Heute Morgen war es eine halbe Stunde lang still. Hunderunde – Sonntagmorgen um acht. Der Tag zeigt sich grau – seit langem mal wieder – und alles scheint gedämpft. Als trügen graue Tage per se ein bisschen Stille, ein bisschen mehr Ruhe, in sich. Wo sich in den heißen Sommermonaten schon emsig Jogger, Gassigeher und Fahrradfahrer tummeln, ist heute einfach –  nichts. Keine Menschen, kein Automotorbrummen, kein Zugfahrgeräusch ist zu hören. Nur ein bisschen Wasserplätschern und ein knappes Entenquak unter der Brücke. Was für eine Wohltat. Die Stille umfängt mich, umarmt mich, öffnet meine Seele. Ich spüre, wie die Stille heilsam mein Herz wärmt. „Ich liebe Stille“, sagt der Geigenbauer Martin Schleske und ich kann dem nur zustimmen. Stille ist ein Geschenk. Ich kann einfach sein. Meine Gedanken aus dieser Stille herausfließen lassen, Reden und Fragen, eins sein mit meinem Gott.
Deshalb darf es auch stille sein, wenn wir uns mit der Bibel hinsetzen. Dürfen wir den Text einfach still hören. Noch nicht denken, noch nicht weiterdenken, sondern still hören lassen. Ihn unser Herz umhüllen lassen. Manchmal ist das schon genug. Meist aber fließen aus diesem Hören die Gedanken und die Worte, die wir brauchen. Ich liebe das – und es fordert mich total heraus. Denn bei diesem stillen Hören haben Gedanken wie: „Wäre das nicht ein Thema für meinen Blog“  oder „Kann ich das für eine Predigt verwenden“ einfach nichts zu suchen. Sie sind vielleicht die Folge davon, aber niemals der Anfang. Am Anfang ist es einfach Gott, der in der Stille zu mir spricht. Und das ist gut so. Ich liebe diese Stille.