„Kannst du die Girlande aufhängen und den Namen mit Kreide an den Spiegel schreiben?“ Mit dieser Bitte überraschte mich unser Sohn an seinem Geburtstag. Dazu muss man wissen, dass diese beiden Elemente lange Jahre zu unseren Geburtstagsbräuchen gehört hatten. Wer gefeiert wurde stand auf dem Spiegel über unserem Esstisch und darüber hing groß: Happy Birthday!
Um den Zeitpunkt der Volljährigkeit herum hatten sich unsere Jungs aber auf eigenen Wunsch davon verabschiedet: Zu kindlich vielleicht oder zu uncool. Vielleicht auch einfach nur herausgewachsen. Auf jeden Fall wurde keine Spiegeldekoration mehr gewünscht. Seither schlummerte sie einige Jahre tief unter Geschenktüten verborgen. Letztens hätte ich sie beim Aufräumen fast aussortiert.
Der Bitte kam ich gerne nach: Die Girlande war rasch aufgehängt. Der Kreidestift erfreulicherweise noch schreibbereit. „Kommst du jetzt schon ins nostalgische Alter?“, schmunzelte ich, als er das Ergebnis inspizierte. „Keine Ahnung“, sagte er, „aber jetzt fühlt es sich wieder wie Geburtstag an!“
Ganz ähnlich geht es uns auch, wenn wir im Glauben erwachsener werden: Häufig legen wir dann Gebräuche oder Rituale ab, die uns plötzlich zu kindlich erscheinen. Eben die, die wir unserem „Kinderglauben“ zuordnen und die im Erwachsen sein deshalb keinen Raum mehr haben sollen. Und das ist gut so. Wir gehen weiter, entdecken anderes, wagen Neues und suchen Formen, die zu unserem erwachsener gewordenen Glauben besser passen. Und doch kommen wir irgendwann wieder auf das eine oder andere Ritual von früher zurück.
Nicht, weil wir die Zeit zurück drehen wollen. Sondern weil wir dann, meist mit etwas Abstand, den Wert dahinter erkannt haben. Sei es ein bestimmtes Gebet, eine angezündete Kerze, ein Lied oder was auch immer. Wir lernen es wieder schätzen. Nicht aus Nostalgie, sondern weil wir wieder entdecken, dass es uns Gott nahe bringt. Es sich gut anfühlt. Und wir es doch irgendwie vermisst haben.
Was ist deine Girlande?

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