
6. Hinweis Badestelle – so steht es auf dem ovalen rosa Schild, dessen Farbe schon ein wenig vom Wetter ausgebleicht ist. Es hängt angebunden an den Stützen eines jungen Baumes, der im Grünstreifen zwischen Weg und Fluss wächst. Nimmt man diesen Hinweis wie er ist, wäre jetzt also ein Bad angesagt. Raus aus den Klamotten und rein in den Fluss, um fröhlich im Wasser zu planschen. Hier kann, soll und darf gebadet werden! Aber die Minusgrade an einem Januarmorgen lassen mich allein bei dem Gedanken schaudern. Und klar – so ist das ja auch nicht gemeint – oder? „Das ist doch nur Teil eines Plans, vielleicht von einem Kindergeburtstag oder so“ oder „Ist doch gar nicht klar, wer damit gemeint ist“ oder „Man braucht doch erst mal alle Hinweise, um zu wissen, was das bedeutet.“ Diese Gedanken drängen sich hier doch auf.
Ganz genau. Hier fällt das leicht, weil der Hinweis auffällig nicht in den Kontext passt und ich fast automatisch gedanklich durchchecke was gemeint sein könnte. Zudem kenne ich mich hier mit den Gegebenheiten aus. Badestelle im Winter – ganz klar heißt das hier nicht: Spring du jetzt ins Wasser.
Aber wie ist das bei Bibelversen, die uns viel zu häufig einzeln angeboten werden. Dazu in der Regel meist auch noch mit ermutigendem Inhalt. Die nehmen wir doch einfach allzu gerne als freihängenden Hinweis. Und auch wenn wir das Wort Gottes und seine Kraft nicht hoch genug schätzen können, ist ein Vers doch nur ein sehr kleiner Teil seines Plans. Deshalb sollten wir auch hier die gleichen Fragen stellen. Wer ist gemeint, was ist der Kontext? Denn die Bibel will und kann nur als ganze Geschichte verstanden werden. Sich mit den Begebenheiten auszukennen wird uns dann die richtigen Schlüsse ziehen lassen.
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