Gedankenschnipsel Tombegegnungen

Es war eine Erleichterung  als er wegzog. Kein Scannen der Straße vor dem Gassigehen oder hastiges Hundzurückrufen, wenn wir uns auf dem Spaziergang begegneten. Tom war einfach immer schlecht drauf – zumindest immer dann, wenn er einem anderen Hund begegnete. Schon von weitem wurde gebellt, geknurrt, an der Leine gezogen – der schwarze Pudel machte seinem Ärger immer lautstark Luft.

Unsere Hündin Amy fand das gar nicht lustig. Ich muss ihr zu Gute halten, dass sie nie die war die anfing. Aber zurückbellen und knurren wollte sie auch. Zudem kann sie – die sonst sehr verträglich ist – ziemlich nachtragend sein, wenn ihr jemand dumm kommt. Und so rief ich sie zur Ordnung: Ein deutliches „Nein, hier wird nicht gebellt!“ – verbunden mit der Erklärung (eher für mich, als für sie): „Nur weil der andere sich dumm benimmt musst du das nicht auch tun!“ Die Ergebnisse waren unterschiedlich, aber gelegentlich schafften wir es doch ohne Zurückgezetere an Tom vorbei zu gehen. Und dann zog er weg. Und Ruhe kehrte ein. Himmlische Hundelaufruhe. Bis, ja bis wir ein paar kurze Wochen später einem weißen fluffigen Etwas begegneten, das an Ärger und Lautstärke Tom durchaus ebenbürtig ist. Und, wie sich herausstellte, ebenfalls in der Nachbarschaft wohnt.

Nicht nur bei Amy, sondern auch bei mir gibt es immer wieder einen Tom im Leben. Jemand, mit dem Begegnungen anstrengend, herausfordernd oder im schlimmsten Fall sogar unangenehm sind. Und damit verbunden  ist die Erkenntnis, wenn er oder sie gerade nicht oder nicht mehr da ist wird in absehbarer Zeit ein neuer Tom kommen. Das fordert mich ebenso heraus wie mein vierbeiniges Familienmitglied. Kriege ich es hin, nicht zurück zu bellen? Ruhig meines Wegs zu gehen? Freundlich zu bleiben? Mich selbst zu führen? Nicht nachtragend zu sein?  Aber dann fällt mir ein, dass ich genau wie meine Amy nicht alleine unterwegs bin. „Geht mit den anderen um, wie ihr selbst behandelt werden wollt!“ sagt Jesus, der es am besten weiß, wie es ist von anderen angegangen zu werden. Gemeinsam mit ihm kann ich mehr und mehr ruhig an meinen Toms vorbei gehen.