Oh Mann, ist das bibeldeutsch! Immer häufiger denke ich das, wenn ich jemand über fromme Dinge reden höre oder Beiträge lese. Bei Liedern im Gottesdienst fällt es mir vermehrt auf. Und oft genug ertappe ich mich selbst dabei: Da werden fromme Ausdrücke verwendet, die nur noch Insider verstehen. Bilder, die ohne Vorkenntnisse keiner deuten kann. Ich sage nur: Löwe und Lamm. Das alles klingt sehr hingegeben und irgendwie kompetent. So voll in Gottes Wort verwurzelt. Aber ohne das zu wollen – das will ich unterstellen – erreichen wir damit mehr einen ausgrenzenden denn einen einladenden Effekt.
Und ja, ich finde das gar nicht so einfach. Denn, wie sag ich es denn am besten verständlich? Das ist eine Herausforderung. Was mir am Sonntagmorgen so lässig über die Lippen geht, wird im Alltag zum Knoten im Gehirn. Wie von meinem Leben mit Jesus erzählen und verstanden werden? Und wie kann ich das, was ich verstanden habe, weitergeben? Wie kann ich? Also ICH. Aber genau da fängt es schon an. Solange ich mich – wenn auch in der durchaus ehrenwerten Absicht Gottes Wort weiterzusagen – im Vordergrund sehe, zäume ich das Pferd von hinten auf. Warum?
Einen klugen Hinweis gibt uns Paulus in seinem Brief an die Korinther. Er schreibt davon, dass er sich denen, die er erreichen will, soweit wie möglich anpasst: den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche (eigentlich sagt er: denen, die unter dem Gesetz stehen und denen, die nicht unter dem Gesetz stehen) und den Schwachen ein Schwacher. Und das bedeutet nicht, dass er so tut als ob – also als Mittel zum Zweck. Das wäre nicht nur manipulativ, sondern auch unlauter. (Ich fürchte, das sagt man so auch nicht mehr). Also, es wäre einfach mit der falschen Absicht – unfair und falsch.
Was er damit meint, stellt er nämlich gleich am Anfang klar: „Ich habe mich zum Diener aller gemacht, um möglichst viele für Christus zu gewinnen.“ Das ist der Grundgedanke, aus dem heraus er handelt. Der Diener aller. Das ist sein Ausgangspunkt. Und das ist der entscheidende Unterschied. Denn damit gilt: Das Wohl des anderen steht über meinen persönlichen Vorlieben. Über meiner Gewohnheit. Über meiner persönlichen Befriedigung. Über meinem Wunsch nach Kompetenz und Insidersicherheit. Aber auch über meiner Freude an gut formulierten, theologisch ausgewogenen Sätzen, die vielleicht auch noch beeindruckend klingen.
Im Vordergrund steht dann mein Gegenüber in seiner Lebenssituation zu achten. Ihn ernst zu nehmen. Sich zu fragen: Was braucht der andere gerade? Wie kann Gott durch mich (oder durch uns als Kirche) so in sein Leben hineinsprechen, dass er es (vielleicht – hoffentlich) verstehen kann. Geschwollen gesagt könnte man das als emotionale Evangeliumsintelligenz beschreiben.
Das bedeutet, dass ich nicht erwarte, dass sich mein Gegenüber meinem Setting anpasst, sondern ich mich mit seinen Lebensumständen, Ansichten, Sorgen und Wünschen vertraut mache. Anpassen heißt dabei nicht all das gut zu heißen oder bei allem mitzumachen – denn wir sind und bleiben wie Paulus ganz Jesus verpflichtet – aber in jedem Fall heißt es den anderen in seiner Lebenswelt ernst zu nehmen und verstehen zu wollen. Ihn zu lieben und zu schätzen. Um darüber eine Sprache – verbal oder praktisch zu finden – die er oder sie wirklich verstehen kann.
Als Beispiel hilft mir dabei eine Beobachtung, die meine Söhne immer schmunzeln lässt. Ich bin Baden-Württembergerin. Und rede entsprechend dem Motto, das unser Ländle lange geprägt hat: „Wir können alles außer Hochdeutsch.“ Und ja, meine Sprache ist von Dialekt gefärbt und für Norddeutsche durchaus eine Herausforderung. Aber, und das ist die Beobachtung meiner Jungs: „Wenn ich mit Menschen zusammen bin, die selbst stark Dialekt sprechen, dann ist auch bei mir der Dialekt deutlich mehr zu hören als sonst.
Was mir hier leicht fällt – den Dialektsprechenden eine Dialektsprechende zu werden – das wünsche ich mir auch für das Weitersagen von Gottes guter Nachricht. Erfüllen wird sich dieser Wunsch nur, wenn wir nicht erwarten, dass Menschen kommen und versuchen, sich unserer Sprache und unseren Angeboten in Kirchen und Gemeinden anpassen. Sondern vor allem dann, wenn wir sie da aufsuchen, wo sie sind und sie in ihrem Umfeld ernst nehmen. Wenn wir anfangen ihre Sprache zu sprechen. Ihr Leben mit ihnen zu teilen. Zusammenfassend sagt Paulus: „Ich versuche mit allen Menschen eine gemeinsame Grundlage zu finden, um wenigsten einige von Ihnen für Christus zu gewinnen.“
Ob das am Arbeitsplatz, beim Kaffeetrinken, im Fitness oder Sportverein, beim PEKiP-Kurs, auf dem Spielplatz, in der Tafel, unter der Brücke, im Gemeindehaus, in der Kirche oder sonst wo stattfindet, das ist dann eigentlich egal.
(weiterlesen im 1. Korintherbrief, Kap. 9, 20 – 23)

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