Es ist nicht weit von meinem Büro zum „Kleinen Italiener“. Gemeint ist damit nicht der Inhaber, sondern die Größe seines Geschäftes. Nur eine Tür und ein überschaubares Schaufenster breit kann man es leicht übersehen. Drinnen rechts ein gut sortiertes Weinregal, links Nudeln und sonstige italienische Leckereien, beim Fenster drängeln sich noch ein paar Kisten mit Südfrüchten. Am Ende des Raumes eine kleine Frischetheke, Kasse und Kochgelegenheit. Komplettiert wird die Ausstattung durch einen großen Küchentisch mittendrin, der den Raum endgültig ausfüllt. Hier finden bis zu 10 Leute Platz. Wer hier zu Mittag ist lässt sich auf eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Location ein: Jeder Gast wird vom Inhaber persönlich begrüßt wie ein lang vermisstes Familienmitglied und wird während des Essens nicht nur fürsorglich betreut, sondern so oft wie möglich mit dem Vornamen angesprochen. Das Essen, das man aus zwei Angeboten auswählen kann, wird in unmittelbarer Nachbarschaft des Küchentischs frisch und lecker zubereitet. Zeit spielt eine untergeordnete Rolle. Nachtisch ist unerlässlich, Kaffee natürlich auch. Die Gäste sitzen in bunter Zusammensetzung am Tisch, schauen einander auf die Teller, scherzen miteinander, kommentieren Gespräche oder geben Empfehlungen ab. Wer hier isst, verlässt Zeit und Raum für einen Kurzurlaub in Italien mitten im Alltag.
Einfach himmlisch – dachte ich nach meinem letzten Besuch. Denn was gibt es Schöneres als willkommen und gekannt zu sein. Wertgeschätzt und liebevoll versorgt zu werden. Mit anderen gemeinsam zu genießen und zu lachen. Jesus wählt auch Bilder wie gemeinsames Essen oder das Feiern eines Festmahls für den Himmel, um seinen Jüngern begreiflich zu machen was sie erwartet. Beim „Kleinen Italiener“ am Küchentisch kriegt man davon einen Vorgeschmack.

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