Augenblick Grün

Wir waren wieder da. Verbrachten ein paar stille Tage im Schwarzwald. Ein kleines Jubiläum für meine Freundin und mich: Das zehnte Mal sind wir hier oben. Ein fester Termin in unserem Jahreslauf. Raus aus dem Alltag. Mehr Zeit als sonst haben Gott zu begegnen. Ungestörte Zeit mit ihm zu verbringen. Sich ihm hinzuhalten. Dieses Jahr ist der Frühling noch nicht so weit fortgeschritten: Zwar blühen die ersten Obstbäume und die Wiesen sind saftig grün, aber die Laubbäume stehen noch alle kahl in der Sonne. Alle? Naja, fast alle. Außer diesem einen. Er steht auffallend grün in einem Wäldchen. Genau in Blickrichtung unserer wunderschönen Aussicht. Warum ist gerade dieser Baum so grün? Die Lage kann es nicht sein, sonst müssten doch auch die rechts und links, oder nicht? Es beschäftigt mich. Beim Spazierengehen mache ich extra einen kleinen Umweg, um ihn aus der Nähe zu besehen. Vielleicht ist es ja einfach eine andere Sorte? Das wäre logisch. Aber nein! Es ist genauso eine Buche wie die andern daneben. Nur grün eben. Und dabei bleibt es. Wir finden keine plausible Erklärung für die Quelle seines Grüns. Aber es erinnert mich daran, dass Menschen, die Gottes Wort viel Raum in ihrem Leben geben, mit auffallend grünen Bäumen verglichen werden. Mit Bäumen, die lebendig sind. Und widerstandsfähig. Und hier ist die Quelle ihres Grünseins klar: Seine Worte und seine Nähe geben uns nicht nur die Kraft, die wir brauchen. Sie verändern auch unser Sein. Wir wachsen durch ihn und mit ihm. Für unser Grün gibt es eine ganz logische Erklärung.