Ist doch alles total wurscht. Alles nix. Und zwar ganz egal was. Alles ist nur heiße Luft. Erfolgreiches oder schwieriges Leben – heiße Luft. Reflektierter Klugscheißer oder plappernder Dummkopf – heiße Luft. Arbeitstier oder Partylöwe – heiße Luft. Abgesehen davon weiß ja eh keiner was kommt. Und so richtig versteht auch niemand was das alles hier soll. Deshalb: Alles, das ganze Leben, ist wie Haschen nach Wind. Eben eine ziemlich sinnlose Veranstaltung. So bringt es das Buch Prediger, das Salomo zugeschrieben wird, auf den Punkt. Selbst Weisheit, und gerade dafür war Salomo ja berühmt, fällt unter dieses vernichtende Urteil. Und deshalb gibt er seinen Lesern den praktischen Tipp: „Iss, trink und freu dich deines Lebens!“
Und irgendwie kommt uns das alles doch seltsam vor, oder? Aber bevor wir ihn als komischen Kauz abstempeln und in Frage stellen, warum sich dieses Buch zum Kanon der Bibel zählt, lohnt sich ein genauerer Blick. Denn aus dem von ihm gewählten Blickwinkel hat der Prediger Salomo recht: Betrachten wir das Leben aus der Perspektive von Tod und Ewigkeit, dann spielt das, was wir zwischen Geburt und Tod tun, keine entscheidende Rolle. Egal wie jemand sein Leben gestaltet, es ist vergänglich und endet immer mit dem Tod. Wir gehen, wie wir gekommen sind: Ohne alles. Wir können nichts mitnehmen. Der Arme nicht, aber auch nicht der Reiche. Der Schaffer nicht, aber auch nicht der Nichtsnutz. Nichts von dem, was wir uns erschaffen haben, was unser Leben prägt, ändert etwas an unserem Ende. Deshalb, kommt er zu dem Schluss, ist es eigentlich sinnlos.
Das klingt zunächst ein wenig deprimierend, diese Bilanz. Aber sie ist nur ein Zwischenergebnis. Denn sobald Gott ins Spiel kommt, wendet sich das Blatt: Aus der Deprihaltung wird eine Einladung zur Freude. Zum dankbaren Durchatmen. Diese Freude finden wir, so führt der Prediger weiter aus, wenn wir Gott Gott sein lassen. Denn für Salomo ist Gott der Herr, die letzte Wirklichkeit, der alles in seinen Händen hält. Ein Gott, der ihm in dieser verwirrten und verwirrenden Welt so viel Zuversicht gibt. Der Gott des Himmels und der Erde, von dem alles kommt und der am Ende für Gerechtigkeit sorgen wird. Bei ihm, so Salomo, sind wir in treuen und guten Händen. Das und allein das gibt unserem Leben Sinn. Nicht durch unser Tun erschaffen wir den Sinn unseres Lebens, sondern indem wir auf Gott vertrauen und ihm gehorchen. Daraus erwächst eine bleibende, sinnstiftende Freude, die, unabhängig von unserer Lebenssituation und unserer Erkenntnis der Dinge, bleibt und standhält.
Und genau deshalb fordert er uns auf das Leben zu genießen. Tatsächlich finden wir im Buch Prediger sieben Aufrufe zum Genuss:
- Wahrer Lebensgenuss aus der Hand Gottes statt sinnlosem menschlichem Genuss-Streben.
- Lebensgenuss ist eine Gabe Gottes.
- Nicht über die Zukunft spekulieren, sondern das Leben im Hier und Jetzt genießen.
- Es ist eine Gabe, wenn ein Mensch sein Leben genießen kann.
- In einer Welt voller Sünde, Torheit, Vergänglichkeit: Genieße und gestalte dein Leben!
- Genieße dein Leben, bevor Leid, Alter und Tod kommen!
Dieser Genuss ist der Ausdruck der Freude über Gott. Der Freude über das Leben, das Gott uns hier und jetzt zuteilwerden lässt. Dankbarer Genuss in jeder Lebenssituation.
Der Prediger selbst weiß noch nichts vom Evangelium und was nach dem Tod kommen wird. Seine Sicht ist ausschließlich diesseitig. Trotzdem hat er das Grundvertrauen, dass Gott es gut machen wird, auch am Ende. Er erkennt in ihm den Schöpfer und Vollender. Für uns, die wir dem Predigertext die Dimension von Christus hinzufügen können, enthüllt sich das Geheimnis. Auch wenn uns, wie dem Prediger, vieles auf dieser Welt unverständlich bleibt: Wir haben durch die Gewissheit der Auferstehung Jesu den Blick über das Grab hinaus. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Prediger schon hier, in der Weisheitsliteratur des Alten Testaments, durch seine Gottessicht eine Brücke in die Zukunft baut. Denn Jesus selbst greift das Thema des Predigers in seiner Lehre auf. Er lädt zum einen diejenigen ein, die mühselig und beladen sind, zu ihm zu kommen, sich erquicken zu lassen und Ruhe für ihre Seele zu finden. Und zum anderen, sich an den alltäglichen Schöpfungsgaben Gottes zu freuen und dem Gott zu vertrauen, der auch für die Lilien und Spatzen sorgt.
Für die Zusammenfassung lassen wir den Prediger selbst sprechen. In Kapitel 2, Vers 24 sagt er: „Es gibt nichts Besseres für den Menschen, als sich an dem zu freuen, was er isst und trinkt, und das Leben trotz aller Mühen zu genießen. Doch ich erkannte, dass auch das ein Geschenk Gottes ist.“
Wer also bei Gott den Sinn seines Lebens sucht und findet – für den gibt es nichts als Freude.
Nachzulesen im Buch Prediger sowie in Mt. 11, 28 – 30 und Mt. 6, 25 – 33. Die 7 Aufrufe zum Genuss stammen aus Bibel-Zoom zum Buch Prediger von Julius Steinberg.

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