
„Ich mag diese Strohballen“, sagte meine Freundin, „das sieht so schön ordentlich aus.“ Seitdem muss ich jedes Mal bei diesem Anblick daran denken. Und es stimmt ja auch. Da liegen sie, die Strohballen, in ziemlich regelmäßigen Abständen ordentlich eingerollt auf dem Feld. Nicht für lange allerdings, dann werden sie abtransportiert und gestapelt. Auch ordentlich. Das hat was. Und doch regt sich beim Weiterdenken Widerspruch in mir. Natürlich macht es Sinn, dass der Landwirt oder die Landwirtin die Strohballen so aufbewahren. Aber das ist nur ein Zwischenzustand. Denn ihr wahrer Wert – und das ist der springende Punkt – zeigt sich genau dann, wenn sie wieder ausgerollt und ausgestreut werden. Das Stroh als Tierfutter oder Einstreu im Stall, als Unterlage für Erdbeerpflanzen oder auch als Material für Schuhe, Matten oder den Hausbau verwendet wird. Wenn es Grundlage und Teil des Lebens wird. Mit der Bibel ist das genauso. Sie sieht gut aus, wenn sie ordentlich im Regal steht. Aufgeräumt und schön. Hat was. Aber genau wie bei den Strohballen liegt ihr Wert nicht in der ordentlichen Aufbewahrung. Nur wenn sie ausgerollt – früher war das tatsächlich so – von uns aufgeschlagen wird und ihre Worte ausgestreut werden, dann wird sie Grundlage und Teil unseres Lebens. Lebendiges Wort, mit dem Gott mitten in unseren Alltag spricht. Uns und andere ernährt und versorgt. Es geht also ums Ausrollen statt ums Einrollen. Daran werde ich in Zukunft bei diesem Anblick denken.
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