Ein schöner Samstag. Ein frühes Eintauchen in die sommerliche Fülle auf dem Wochenmarkt. Entspanntes ausgiebiges Frühstück miteinander am Küchentisch. Spontaner kleiner Ausflug zum Rhein. Mit dem Hund am Wasser entlang laufen. Fahrradfahrern den Weg frei machen. Auf einer kleinen Gartenterrasse mit Selbstbedienung Kaffee trinken. Netter Smalltalk mit der freundlichen Frau an der Theke. Pflaumenkuchen mit Streuseln und Sahne. Schön ist es hier zu sein. Darüber freue ich mich. Dafür bin ich dankbar – nehme es dankbar aus Gottes Hand Teil dieser Welt zu sein. Süddeutsche Erdenbewohnerin – ohne mein Zutun. Einfach so hineingeboren in diese – sorry, das muss ich einfach so sagen – wunderschöne Region. Hier beheimatet. Verbunden.
Aber stimmt das überhaupt? Wie passt das zusammen mit der Aussage, die Paulus an die Philipper schreibt, dass die eigentliche Heimat derer, die Jesus nachfolgen, im Himmel ist? Also doch nix mit süddeutscher Heimat? Oder wie muss ich das verstehen? Denn ich bin ja definitiv noch da. Wurde nicht weggebeamt in den Himmel, als ich vor vielen Jahren Jesus als meinen Retter angenommen habe. Und was verändert sich durch die Zugehörigkeit zu einer anderen Heimat, obwohl ich noch hier bin?
Den Schlüssel finden wir im Neuen Testament. Hier wird mit verschiedenen Bildern beschrieben, was es bedeutet, wenn Menschen sich Gott zuwenden und Jesus als den Retter der Welt erkennen. Sie statt an etwas anderes jetzt Gott glauben. Sie sich – auch wenn wir dieses Wort nicht mehr so häufig benutzen – bekehren. Umkehren. Sich ihre Schuld von Gott vergeben lassen und ihm nachfolgen. Bilder wie Wiedergeburt, Auferstehung mit Jesus zu neuem Leben, Ausziehen der alten und Anziehen von neuen Kleidern, Wechsel des Eigentümers oder von der Finsternis zum Licht, vom Tod zum Leben kommen, beschreiben eine vollständige Veränderung. Eine Veränderung, die zuallererst unsere Identität betrifft, aber damit auch Auswirkungen auf unsere Heimat hat. Wer zu Jesus gehört, hat also sowohl eine neue Identität als auch eine neue Nationalität. Das ist auch keine Doppelstaatlichkeit im herkömmlichen Sinne, wenn jemand zwei oder mehr Pässe besitzt. Geistlich betrachtet schließt sich eine Doppelstaatlichkeit aus. Aber praktisch gesehen sind wir jetzt Himmelbürger auf Erden. Das bedeutet auch, dass überall dort, wo Menschen Jesus nachfolgen, schon ein Stückchen von Gottes Reich zu sehen ist.
Jesusnachfolger sind weiterhin mittendrin und doch anders. Einerseits jetzt Fremde in der alten Heimat. Andererseits trotzdem nicht plötzlich Outsider. Christen sind Insider, die sich von ihrer Kultur unterscheiden, weil sie wiedergeboren wurden. Sie sind per Definition Menschen, die nicht mehr sind was sie mal waren. Menschen, die auf eine Art und Weise leben, wie sie früher nicht gelebt haben. Und trotzdem bedeutet das keinesfalls Weltfremdheit oder Weltflucht. Denn sie bewohnen ja weiterhin die gleichen Städte und sprechen die gleiche Sprache. Sie tragen die gleichen Kleider und essen dasselbe wie alle anderen – Pflaumenkuchen mit Streusel und Sahne. Und sie führen in der Regel ein unauffälliges Leben, wie die meisten Menschen.
Was sie unterscheidet, ist ihr Denken und Verhalten. Sie sind heiliger als andere. Und wer – hoppla – über diesen Ausdruck stolpert, weil wir darunter landläufig den perfekten Menschen verstehen: Hiermit ist keine Fehlerlosigkeit gemeint. Das kriegt auch der „beste“ Christ hier auf der Erde nicht hin. Sondern damit ist gemeint, dass sie zu Jesus gehören, bei ihm Vergebung finden und deshalb von ihm lernen und ihren Charakter von ihm umgestalten lassen wollen. Nach und nach (und oft genug wünsche ich mir bei mir ginge es schneller) mitleidiger werden. Freundlicher, sanfter und geduldiger. Nachsichtiger und vergebungsbereiter. Liebevoll zu jedermann. Weil Jesus genau so ist.
Mit Jesus kam der Himmel auf Erden. Das ist Gottes gute Nachricht für alle Menschen. Diese Nachricht finden wir nicht nur niedergeschrieben in der Bibel. Sondern auch im Reden und Handeln all derer, die zu Jesus gehören und diese Nachricht weitertragen. Die lebendige Zeugen der himmlischen Realität auf dieser Erde sind. Aushängeschilder einer himmlischen Heimat, deren Tür allen offen steht, die anklopfen. Weil Gott will, dass so viele Menschen wie möglich Himmelsbürger werden, sorgt er dafür, dass seine Einladung über alle Kanäle kommuniziert wird. Und eben deshalb redet er nicht nur durch sein aufgeschriebenes Wort. Nicht nur durch die umwerfende Schönheit seiner Natur. Sondern auch durch quicklebendige Botschafter seines Landes. Durch Himmelsbürger inmitten dieser Welt. Bei der Arbeit. Als Nachbarn. Im Verein. Beim Elternabend. Im Supermarkt. An der Theke. Im Krankenhaus. Alltäglich. Nah. Überall.
Himmlische Heimat – anders mittendrin. Macht Sinn.
Nachzulesen u.a. in Phil. 3, 20 und Kolosser 3, 12 – 14

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