Augenblick Gurkensegen

Der Morgen ist noch kühl, aber die Hitze lässt sich schon ahnen. In den Gärten entlang unserer Hunderunde wird schon eifrig gewerkelt. Die Gärtner nutzen die frühen Morgenstunden zum Hacken, Jäten und Ernten. Alles ist taufrisch. Ich grüße eine Bekannte, die sich mit Strohhut tief über ihre Beete beugt. Wir reden ein bisschen, bis sie unvermittelt sagt: „Elke, du kriegst eine Gurke.“ Und flink Richtung Gartenhütte wuselt und mit einer bildschönen Gurke zurückkommt. Die drückt sie mir in die Hand. Ich bedanke mich erfreut, wenn auch etwas überrascht. Sie sagt: „Wir haben vier Gurkenpflanzen und die haben dieses Jahr ganz viele Gurken gebracht. Wir haben bestimmt schon zwanzig an Bekannte verschenkt.“ Und so gehen wir nach Hause – in der einen Hand die Leine, in der anderen die Gurke. Ihr „zuviel Gurke“ wird mein „ich hab jetzt eine Gurke“. Und genau so soll es doch sein. In der Bibel lesen wir, dass schon Johannes der Täufer zu den Menschen, die sich Gott wieder zuwenden wollten, sagte: „Wer mehr Gurke hat als er braucht, soll dem eine geben der keine hat.“ Nein, Quatsch, es ging natürlich nicht um Gurken. Aber um das Prinzip des Teilens und Gebens. Wer versorgt wurde kann, darf und soll andere versorgen. Egal, ob es um Gottes Wort, Gurken, Kleidung, Wohnraum oder sonst was geht. Darauf liegt Segen. Nicht nur für den Beschenkten, sondern auch für den Schenker.