„Welcher ist heute dran? Also den hatte ich schon, ganz sicher. Hm, also weiter. Ja, das kommt mir bekannt vor. Der auch. Den fand ich besonders gut, gerade diese drei Sätze. Na, dann muss der Nächste wohl der Neue sein. Stimmt.“
Was vielleicht ein bisschen merkwürdig klingt ist seit ein paar Wochen mein Start in den Tag. Die Psalmen lesen, jeden Tag einen über den Sommer und vielleicht noch darüber hinaus. Das war die Grundidee. Zuhause in meiner gedruckten Bibel fing es aber schon an: Trotz Lesebändchen konnte ich nach kurzer Zeit nicht mehr auf Anhieb sagen, welcher der Psalm von gestern war. Stehen ja mehrere auf den beiden aufgeschlagenen Seiten. Im Urlaub auf der schwäbischen Alb mit der Bibel auf dem Handy war es dann ganz vorbei. Also begann ich mich, wie oben beschrieben, von hinten vorzutasten. Und dabei habe ich nicht nur herausgefunden, welcher Psalm neu dran war. Sondern auch festgestellt, welches Glück in der Wiederentdeckung liegt. „Ja, das hab ich gelesen. Diese Sätze kenne ich. Und sie haben mich berührt. Angesprochen. Oder irritiert.“ Rückwärts zu blättern zu dem, was ich kurz zuvor gelesen hatte und es wiederzuerkennen, wurde plötzlich zu einem Wert für sich. Baute eine Verbindung auf. Eine Beziehung. Ja, ich kenne dich. Was für ein Glück.
Und deshalb bleibe ich jetzt dabei. Nicht nur bei den Psalmen. Selbst wenn ich genau weiß, welcher Text als nächstes dran ist, lese ich ganz bewusst den Abschnitt davor. Lesen in Zweierschritten – erst nach hinten, dann nach vorne. Bestimmt gibt’s diese Idee schon längst. Zum Glück hab ich`s jetzt auch entdeckt.

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