Voll reingetreten. Eingesunken. Pampe hochgespritzt und kleben geblieben. Überall. Hat sich in jede Ritze gesetzt. Graubraun. Eklig. Stinkig. Kaum wieder abzukriegen. Kaum wieder rauszukommen.
Von den anderen voll ausgelacht. Bloßgestellt und erniedrigt. Arm und elend. Hat diesen falschen Schritt gemacht, der sich zuerst so richtig angefühlt hat. Aber, zugegeben, nicht nur den einen Fehltritt. Viel zu viele schon zuvor. Ein echtes Schlamassel. Und jetzt sitzt er mutlos fest – mitten im Matsch.
Aber dann, dann denkt er plötzlich ans Singen! Singen? Echt jetzt? Ja, genau, singen. Denn das tut David im Psalm vierzig. Dabei gehts ihm echt dreckig. Es trifft ihn, dass seine Feinde seine Fehltritte feiern, aber er weiß auch, dass er es selbst vergeigt hat. Er steht knietief in seinem eigenen schlammigen Sumpf. Und kommt alleine nicht raus. Das Einzige was er noch tun kann: Nach Hilfe rufen. Gott um Hilfe rufen. Er ist der Einzige, der ihn wieder auf festen Boden stellen kann. Raus aus dem Matsch ziehen. Davon kann David ein Lied singen. Er weiß wie das ist. Ist nicht das erste Mal. Deshalb vertraut er Gott, dass er ihn auch dieses Mal retten wird. Ihm vergeben wird. Ihn nicht im Stich lässt. Er bei ihm Ruhe, Hoffnung und Zuversicht findet. Der Matsch ist nicht die Endstation. Das hat er schon erlebt. Das ist es, wovon er singt. Wie oft ihn Gott aus dem Dreck gezogen hat. Er singt von Gottes Handeln, seinen Taten, seiner Größe. Singt laut, damit es alle hören. „Ist das nicht der Hammer, wie Gott an uns handelt, wenn wir ihn zu Hilfe rufen“, singt David.
Wenn er über Gottes Hilfe singt, klingt er plötzlich so zuversichtlich. Auch wenn sich im Moment noch nichts geändert hat – er noch auf Gottes Handeln wartet, weiß er: Jawohl – Gott macht es wieder gut. Und da hat er Recht. Genau davon dürfen wir neue Lieder singen. Haben wir nicht schon selbst erlebt, wie Gott uns aus unserem Modder geholt hat? Nicht wir, Gott hat es getan. Und er tut es immer wieder, wenn wir ihn um Hilfe bitten. Deshalb kommt Psalm 40 auch ein bisschen wie eine Wellenbewegung rüber: David war im Matsch gelandet. In seiner persönlichen Grube des Grauen. Er hatte Gottes Hilfe erlebt. Und jetzt steckt er wieder mal in der Pampe. Und Gott wird auch jetzt wieder für ihn da sein. Gott sei Dank. So läuft das.
Und ich finde das tröstlich. Tröstlich, dass ich nicht die Einzige bin, die sich immer wieder im Matsch wiederfindet. Tröstlich, dass Gott uns immer wieder ein neues Lied von seinem Handeln in den Mund legt. Weil er sich treu bleibt. Weil er uns nicht im Matsch unserer Fehlentscheidungen stecken lässt. Tröstlich auch deshalb, weil Matschlieder nicht nur uns, sondern auch allen anderen Matschmitbewohnern Mut und Hoffnung machen, wenn wir sie uns gegenseitig vorsingen.
Die letzten Jahrzehnte waren gesanglich in Kirchen und Gemeinden eher von siegreichen Liedern geprägt. Wie locker und kraftvoll, stark und unaufhaltsam wir das Leben wuppen, wenn Gott an unserer Seite ist. Gott sei Dank ist das auch ein Teil der Wahrheit. Und trotzdem: Dadurch hat sich unmerklich etwas verschoben. Statt „GOTT macht es für uns“ schwingt jetzt mehr das „Mit ihm machen WIR es“ unterschwellig mit. Matsch – ach was, wir springen über Mauern mit unserem Gott. Das singt sich super, stimmt aber viel zu oft nicht mit der Realität überein.
Matschgesänge waren bisher eher Mangelware. Das ändert sich gerade. Es wächst ein neues Bewusstsein für Matschlieder. Und das ist gut. Richtig gut. Mut, Kraft und Hoffnung entstehen aus Gottes Handeln, nicht aus unserem. David hat das kapiert und es uns vorgemacht. Und wir dürfen einstimmen. Immer wieder.
(Nachzulesen in Psalm 40 – Tipp: Den Psalm mehrmals und in verschiedenen Übersetzungen lesen)

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