Augenblick Silent Disco

Neulich brachten wir unseren mittleren Sohn zum nächsten ICE-Halt in der kleinen Großstadt nicht weit von uns. Da sich der Frühherbst noch sehr spätsommerlich zeigte nutzten wir die Gelegenheit für einen entspannten Altstadtbummel. Nach den ersten Schritten aus dem Parkhaus wurde uns aber klar:  Hier steppt der Bär. Wir waren mitten in das „Food und Fashion Festival“ geraten. Partyzone und Menschen in Feierlaune überall, viele Essensstände, laute Musik. Also rein ins Getümmel. An einem zentralen Platz dann aber ein ganz anderes Bild. Im ersten Moment wirkte es fast außerirdisch. Hier war es ruhig. Menschen mit verschiedenfarbig leuchtenden Ohren füllten die Fläche. Nicht nur jede Altersgruppe war vertreten, auch was sie taten war unterschiedlich. Die einen standen still, manche wippten mit den Füßen, andere bewegten sich raumgreifend und selbstvergessen. Wir waren mitten in eine Silent Disco hineingeraten. Zu gern hätte ich gefragt: „Welche Musik hört ihr denn? Hat die Farbe der Kopfhörer etwas mit dem Musikstil zu tun? Und welche Musik hören die Kinder? Von außen betrachtet wirkte es irgendwie seltsam und unverständlich. Für die, die die Musik hörten, war es aber total normal – klar.

Manchmal denke ich, dass es Menschen, die bisher nichts oder wenig mit Christen und dem christlichen Glauben zu tun hatten, genauso geht wie uns neulich. Sie sehen die Nachfolger Jesu und stellen sich die gleichen Fragen: Was tun die da? Auf was hören sie? Warum bewegen sie sich so? Denn es stimmt ja: Wir hören die Musik des Himmels und tanzen danach. Irgendwie genauso außerirdisch. Und das ist eindeutig  auch erklärungsbedürftig. Da sind wir gefordert sprachfähig zu sein, zugewandt statt selbstversunken. Vielleicht müssen wir uns manchmal selbst an den entscheidenden Unterschied erinnern: Während die Silent Disco darauf ausgerichtet ist keinen durch Musikhören zu stören und jeder nach seinem Takt tanzen kann, sind Himmelmusikhörer und Tänzer darauf ausgerichtet, dass auch die anderen etwas von der Musik zu hören kriegen. Denn jeder, der bereit ist zuzuhören, ist eingeladen: mitzuhören, mitzutanzen und gemeinsam zu leuchten.