
Darf man Bilder vermischen? Oder wie geht man damit um, wenn sie sich spontan, ungeplant, unbeabsichtigt vermischen? Die letzten Tage ging es mir jedenfalls so. Bei uns werden seit einiger Zeit Schafe zur Weinbergpflege eingesetzt. In vieler Hinsicht ökologisch sinnvoll fressen sie das Gras zwischen und unter den Weinstockreihen, vermeiden die Verdichtung des Bodens durch Maschineneinsatz und düngen ganz nebenbei die Rebfläche. Aber auch für sie ist es vorteilhaft: Erhalten Sie doch Nahrung im Überfluss. Eine Win-win-Situation. Die schöne Aussicht und leuchtenden Herbstfarben, die uns Menschen noch ins Auge fallen würden sind ihnen vermutlich schafegal, aber die übriggebliebenen Weinblätter werden ebenfalls gerne angeknabbert. So oder so: Ich merke, weniger der aktuelle Zusammenhang, sondern das Bild an sich springt mich geradezu an. Denn Weinstock und Reben, Schafe und Hirten, diese beiden Komponenten sind starke Bilder vieler Gleichnisse. Dabei hat jedes Gleichnis für sich ja immer eine bestimmte Pointe, die zugespitzt etwas vermitteln will.
Das will ich ernst nehmen und wertschätzen. Und trotzdem: Ich will auch das gemischte Bild zu mir sprechen lassen. Mich davon berühren lassen. Beide Bilder, Rebe und Schaf, sind Teile von Gleichnissen, bei denen es um die Beziehung zwischen Gott und den Menschen geht. Darum, wie wir in engster Beziehung zu Gott von ihm Fürsorge, Schutz und Sicherheit ebenso erhalten wie Mut und Kraft zur lebensbejahenden Veränderung, auch und gerade unserer eigenen. Vielleicht spricht mich das Bild genau deshalb so an: Ich möchte so ein Weinbergschaf sein – mein Leben lang und darüber hinaus.
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