Schön und gut

„Schön und gut“, sagt Paulus. Und tatsächlich meint er das auch so. Denn das Aber, das wir schon fast automatisch im Anschluss zu hören meinen, das kommt nicht. Und das überrascht. Denn schön und gut klingt doch ein bisschen zu schön um wahr zu sein. Nicht so nach der ganzen Geschichte, eher irgendwie so nach: Da ist doch noch ein Haken, eine Ergänzung, oder zumindest eine Einschränkung.

Schön und gut  – das schreibt Paulus zusammengefasst so an die Philipper, als er am Ende des Briefes in die Zielgerade einbiegt. Zuvor hat er ihnen schon eine Menge über Freude und Himmelsbürgerschaft geschrieben. Ja, der Brief strotzt geradezu vor Freude, obwohl Paulus selbst gerade im Gefängnis festsitzt. Denn diese Freude gründet auf der – auch von Paulus verkündeten –  guten Nachricht, dass Jesus der Retter und König dieser Welt ist. Und das hat reale Auswirkungen für diejenigen, die sich von ihm rufen lassen und ihm nachfolgen. Nichts kann sie jetzt mehr von der Liebe Gottes trennen. Hier nicht und auch im Tod nicht. Was für eine Hammernachricht.

Und das heißt auch ganz praktisch, dass ihr Leben jetzt wirklich ein lebendiger Ausdruck davon sein kann zu Gott zu gehören. Und eine Folge davon ist – logo – dass sich jeder, der zu ihm gehört, freuen kann. Auch, und gerade in Lebensumständen, die herausfordernd sind. Selbst wenn, wie im Fall von Paulus, das Leben in Gefahr ist.

Und deshalb ruft er seine Leser auf, an dieser guten Nachricht festzuhalten und ihr Leben danach auszurichten. Dazu gibt er einige Tipps und Beispiele, aber er dreht auch die eine oder andere Runde, um zu erklären, wer dieser Jesus ist und um den Bezug von seinem Handeln zu uns herzustellen. Schön und gut, denkst du jetzt vielleicht, das würde sich bestimmt mal lohnen genauer nachzulesen – und das empfehle ich unbedingt, denn der Philipperbrief ist ein echtes und nicht zu langes Schätzchen – aber wann kommt Paulus endlich auf den Punkt, um den es hier heute gehen soll?

Tatsächlich scheint es, als hat er selbst das Bedürfnis, all das bisher Geschriebene jetzt noch ein bisschen praktischer zu veranschaulichen. So was richtig Alltagstaugliches und Augenfälliges rauszuhauen. Und deshalb schreibt er also: Haltet euch an dem fest, was schön und gut ist. Aber eben kein aber, sondern einfach: „Konzentriert euch auf das, was wahr, anständig und gerecht ist. Denkt darüber nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen.“

Und damit meint er nicht, der Realität eine rosa Brille zu verpassen. Im Gegenteil. Er und auch die Philipper steckten in mehr als schwierigen Umständen. Er weiß also wovon er redet. Aber gerade inmitten dieser Umstände rät er ihnen auf das Schöne und Gute zu sehen.

Denn wir Menschen sind anfällig, richtig anfällig immer zuerst auf die Schwierigkeiten, die Herausforderungen und überhaupt das Negative zu schauen. Das war bei den Philippern damals so und ist heute auch nicht anders. Bei uns Deutschen allerdings – und diese Verallgemeinerung will ich mal wagen – ganz besonders. Das Glas ist immer eher halb leer als halb voll und überhaupt war früher mehr Lametta. International gewännen wir leicht den Titel des Jammerweltmeisters, falls es einen solchen gäbe. Und der Satz: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie die Packungsbeilage und fragen sie ihren Arzt oder Apotheker!“ hat schon fast das Potential die nationale Haltung auszudrücken. Und das, obwohl wir eines der privilegiertesten Länder dieser Erde sind.

Es geht hier also um einen Blickwechsel. Schaut auf das Gute und Schöne – und ihr werdet darin Gottes Güte und Fürsorge entdecken, statt im Jammermodus hängen zu bleiben. Das ist der Punkt. Überraschung: das Gute und Schöne gibt es. Und wenn man seinen Blick mal darauf eingestellt hat, sogar mehr als genug. Überwältigend viel ist schön und gut, wenn man es nur sehen will.

Mit welchem Schönen und Guten hat dein Tag heute begonnen? Damit, dass du überhaupt aufgewacht bist und ein neuer Tag für dich beginnt? Mit dem Duft von Kaffee oder Tee? Einem netten Wort oder einem ermunternden Vers? Vogelgezwitscher? Musik? Einem netten Busfahrer? Einer grünen Ampel? Ein Blick ins Grüne? Und du merkst schon, das sind nur ein paar kleine Beispiele, denen sich tausende anschließen bis wir heute Abend wieder im Bett liegen. Wir müssen sie nur sehen wollen.

Schön und gut setzt uns also auf die Fährte Gott. Darauf, sein Handeln und sein Wesen in unserem Alltag zu bemerken. Es zu sehen, zu spüren und uns dadurch täglich neu, dankbar und froh in ihm zu verankern.

Tut das, sagt Paulus, und ihr werdet nichts weniger als Frieden und Freude finden. Schön und gut, oder?

Nachzulesen im Brief an die Philipper, insbesondere Kapitel 4, Vers 8