Augenblick Schnee von gestern

Nach endlich mal wieder weißen Weihnachts- und Silvestertagen im Schwarzwald kommt noch vor Dreikönig nicht ganz unerwartet der Wetterumschwung. Warme Winde aus Süden bringen die weiße Pracht schneller zum Schmelzen als den Liftbetreibern, Winterwanderern und Schneebegeisterten lieb ist. Flüsse voller Schnee von gestern rauschen jetzt durch die Täler. Braune Brühe statt weißer Pracht. Na danke, denke ich ein wenig wehmütig, als ich auf meiner Hunderunde von der Brücke schaue.

„Ne“, sagt die leise Stimme Gottes zu mir. „Nix na danke, sondern ja danke. Zweimal ja danke, übrigens.“ „Hä“, denke ich, „warum das denn?“ „Na, zum Ersten, weil der Schnee von gestern der Schnee von gestern war. Super schön. Schwarzwald weiß-blau im Sonnenschein. Das hast du doch sowas von genossen. Und hast du nicht wieder gespürt, wie schön es ist, was ich geschaffen habe? Das hat dir gut getan und deine Beziehung zu mir gestärkt. Und die zu deiner Familie, mit der du unterwegs warst. Was also da den Bach runter geht, das lässt dich jetzt anders in das neue Heute gehen. Oder nicht? Na siehst du.

Und damit haben wir auch gleich das zweite Ja danke: Heute ist ein neues Heute. Und ich werde, so wie gestern, auch heute da sein. Schnee hin, Brühe her. Du kannst mir auch heute begegnen. Und deshalb kannst du getrost sein. Zuversichtlich nach vorne blicken. Vertrauensvoll in den Tag und ins Neue gehen. Weil ich da bin. So wie gestern im Schnee auch heute und morgen.“

„Okay Gott“, denke ich und muss ein bisschen grinsen, „du hast mich mal wieder erwischt! Und ich habs schon kapiert: Das mit dem Schnee von gestern gilt natürlich nicht nur für den Schnee von gestern.“