Unsicher

Was gilt jetzt eigentlich? Stimmt wirklich alles noch, was er ihnen versprochen hatte? Okay, eigentlich hat er ja seinen Teil der Abmachung eingehalten. Und das war ja schon richtig cool. Zumindest am Schluss. Davor, ja davor, war es vor allem verwirrend. So ganz anders, als sie es erwartet hatten. Den Boden hatte es ihnen unter den Füßen weggezogen. Alles schien fragwürdig, gefährlich, irritierend. Und dann dieser unglaubliche Moment – als sie erkannten, dass er wirklich getan hatte, was er vorhergesagt hatte. Als es wirklich passierte. Vor ihren Augen. Und er wieder vor ihnen stand. Unfassbar eigentlich und gleichzeitig so überwältigend real. Und wie unglaublich froh waren sie da, staunend, erleichtert. Schwer zu beschreiben – aber dieser Augenblick, er war so voller Glück, voller Hoffnung und Frieden. Alles war gut in diesem Moment. In den Tagen danach. Wann immer sie ihm begegneten.

Aber dann schien erst mal nicht viel zu passieren. Klar wussten sie, dass noch was kommen musste. Auch darüber hatte er mit ihnen geredet. Aber was hieß das jetzt eigentlich? Würde sich jetzt wirklich auch alles andere erfüllen, wovon er gesprochen hatte? Und wie würde sich ihr Verhalten ihm gegenüber auswirken? Als sie ihn für tot hielten – und sie ihn, sich selbst und den Auftrag für gescheitert. Waren sie jetzt überhaupt noch gut genug für ihn? Konnte und wollte er mit ihnen weitermachen? Brauchte er sie überhaupt noch? Oder hatten sie sich selbst disqualifiziert? Was, ja was, gilt denn jetzt noch?

Diese bangen Fragen stellen sich die Jünger, als sie, nach Kreuzigung, Auferstehung und den ersten Begegnungen mit Jesus, am See fischen gehen. Sie einfach erst mal in ihren Alltag zurückkehren, weil sie nicht so recht wissen, was sie sonst tun sollten. Obwohl sich bewahrheitet hatte, dass Jesus der Messias ist, herrschte bei den Jüngern große Unsicherheit.

Unsicher. Was gilt denn jetzt? Gilt jetzt noch, was Jesus gesagt hatte? Für diese Welt, für alle, die ihm nachfolgen? Wie stehst du zu uns und dieser Welt, Jesus? Wirst du wirklich alles zu einem guten Ende führen? Sind wir noch Teil deines Plans? Bis du wirklich vertrauenswürdig, auch wenn wir es so oft nicht sind? Diese Fragen stellen sich nicht nur die Jünger damals. Je unsicherer die Weltlage für uns aus europäischer Sicht wird, desto mehr wächst auch die Unsicherheit in uns.

Klar hat Jesus gesagt, dass er jeden Tag bei uns sein wird. Logo, der Heilige Geist wird uns führen und leiten. Und ganz sicher – am Ende wird es gut werden. Ein neuer Himmel – die erneuerte Erde, das alles hat uns Jesus zugesagt. Und doch – ist da diese Unsicherheit. Wenn irgendwie nichts zu passieren scheint, was in diese Richtung deutet. Du uns so fern vorkommst, Jesus. In dieser Zeit – zwischen Himmelfahrt und der Wiederkunft Jesu, in der wir heute leben – erleben wir uns selbst immer wieder unsicher. Sind unsicher in unserem Zutrauen auf Gottes Zusagen, gerade dann, wenn sicher geglaubte Lebensumstände ins Wanken kommen. Können wir uns wirklich auf dich verlassen, Jesus? Gilt noch, was du gesagt hast? Zu dieser Welt, zu uns ganz persönlich? Wirklich?

Morgens am See, lesen wir im Johannesevangelium, erwartet Jesus die verunsicherten Jünger und hat für sie tröstliche Antworten auf all diese Fragen. Jesus lässt sie und uns sehen und erleben, dass er immer noch derselbe ist. Derselbe bleibt. Gott mit uns. Herr über Himmel und Erde. Wundertäter. Sattmacher für Leib und Seele.

Und dass immer noch gilt, wozu er uns berufen hat. Seine Freunde zu sein, seine Brüder und Schwestern. Dass wir noch immer Geliebte, Gewollte und Gesandte sind. Zu ihm gehören. Mit ihm am Werk sind. Dass sich daran nichts geändert hat. Und wir getrost sein dürfen, bis er wieder kommt.

Ganz sicher.

Nachzulesen im Johannesevangelium, Kapitel 21